Ich wünschte, ich hätte diesem Hitler mal meine Meinung sagen können!

Ich wünschte, ich hätte diesem Hitler mal meine Meinung sagen können!

Von: Joschi, Alter: 14

Es war Mittwochabend. Ich saß vor dem Fernseher und sah eine der zahlreichen Reportagen über den 2.Weltkrieg. Jedes Mal, wenn ich die schrecklichen Bilder sah, wurde ich wütender. Wohl wusste ich, wer dafür verantwortlich war, aber das half mir auch nichts. Ich wünschte, ich hätte diesem Hitler mal meine Meinung sagen können...;, dachte ich und merkte erst, dass ich meine Gedanken laut aussprach, als meine Mutter mein Zimmer betrat und mir sagte, ich solle jetzt lieber ins Bett gehen. Das tat ich dann auch. Doch ich konnte nicht einschlafen; ich musste immer wieder an diese Reportage denken. Doch gegen halb elf war ich zu müde. Ich schloss die Augen und schlief ein. Schüsse weckten mich aus einem unruhigen Schlaf. Erschrocken fuhr ich hoch. Was... was zum Teufel war das??? Verschlafen blickte ich mich um. Da - das war nicht mein Zimmer und genauso wenig mein Bett. Wo war ich. Ich stand auf und ging zu einem Fenster in der Steinmauer des kleinen kahlen Raums. Sonnenstrahlen fielen durch das Fenster und warfen ein fahles Licht, einen unheimlichen Schein in das Zimmer. Eine Alarmglocke ertönte. So langsam kapierte ich zwar, wo ich war, doch glauben wollte ich es nicht so recht... War ich wirklich im Jahre 1945? Ein paar Kampfjets jagten über das Gebäude hinweg, in dem ich mich befand. Das Gebäude schien sehr hoch zu sein, ich war mindestens im vierten Stock. Kein Mensch befand sich auf den Straßen, ein paar Armeefahrzeuge rollten eine gepflasterte Panzerstraße entlang. Ich sah mir das merkwürdige Treiben noch ein paar Minuten an, dann ging ich zur einzigen Tür in dem Raum. Sie war nicht verschlossen, so drückte ich die Türklinke herunter und schob mich in den Gang draußen. Es war fast stockfinster, nur am Ende des Gangs befand sich ein kleines zerbrochenes Fenster. Ich suchte den Gang nach einer Treppe ab. Diese schien ziemlich morsch und alt zu sein; trotzdem wagte ich den ersten Schritt auf eine alte Holzstufe. Die ganze Treppe knarrte bedächtig, doch ich kam heil unten an. So lief ich noch drei Stockwerke tiefer und betrat das Freie. Es war morgen, stellte ich fest - vielleicht neun Uhr. Das Haus war unbewohnt, schloss ich, als ich an der großen Betonwand empor starrte. Als ich mich so umsah, stellte ich fest, dass es sich bei dieser Stadt nur um Berlin handeln konnte. Die Alarmglocke verstummte, das Zischen der Düsentriebwerke der Jets wurde von Rufen und Schreien ein paar Gassen weiter verschlungen. Langsam betraten zerlumpte Menschen die Straße. Ungläubig schüttelte ich den Kopf. Plötzlich wurde mir klar, was dieser Aufenthalt in Berlin im Jahre 1945 für eine Möglichkeit für mich darstellte. "Wenn ich nur wüsste, welches Datum wir nun genau haben...", murmelte ich zu mir selber. Aus irgendeinem Grund starrte ich an mir herab. Mir wurde schlecht. Ich stand gerade in meinem Schlafanzug auf einer menschenbevölkerten Straße im Jahre 1945! Toll... ‚Ich muss hier weg...'; dachte ich. Blindlings stürzte ich in das Haus, aus dem ich eben noch herausgekommen war. Ich dachte fieberhaft nach. ‚Wenn hier nur irgendetwas zum Anziehen wäre...’, dachte ich, zumindest eine zu große Uniform oder so... So durchkämmte ich die zahlreichen Zimmer des Hauses, auf der Suche nach Klamotten. Schließlich fand ich ein zerfetztes Hemd und eine schlichte Hose. ´Naja...´, dachte ich, ‚so sehen schließlich alle Leute hier aus...’ Zwei Minuten später stand ich da - in der Hose und dem Hemd. ‚So falle ich zumindest nicht auf...’, dachte ich und verließ abermals das Haus. Wo war bloß der Führerbunker?? Ich lief durch die Gassen, die sich allmählich wieder mit Menschen füllten. So beschloss ich, jemanden zu fragen: „Entschuldigen Sie... könnten Sie mir vielleicht sagen, wie ich zum Führerbunker komme?“ Aus dem Gesichtsausdruck der Frau mittleren Alters, die ich gefragt hatte, konnte ich schließen, dass diese Frage wohl nicht gerade die beste war. Entsetzt starrte sie mich an, wandte sich ab und ging weiter. Ich blieb stehen und überlegte. Wohin jetzt? Einfach irgendwohin laufen und suchen? Was blieb mir schon anderes übrig? Zwei Soldaten, bewaffnet mit Maschinengewehren kreuzten meinen Weg und würdigten mich keines Blickes. Ich wartete kurz und schlich dann in geraumer Entfernung hinter ihnen her. Sie bogen in eine schmalere Gasse ein, kurz darauf verabschiedete sich der eine und verschwand in einem Haus. Dem zweiten folgte ich weiter. Zehn Minuten ging das so, dann sah ich endlich das große Gebäude. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Wie sollte ich da bloß reinkommen? ‚Egal’, dachte ich und ging weiter. So langsam liefen hier anstatt Bürgern nur noch Soldaten herum. Als einer zu mir herüberstarrte und anschließend hinter mir herlief, beschleunigte ich mein Tempo. Ich drehte mich um, lief aber weiter und prallte schließlich gegen ein großes Metalltor. ‚Ich muss dem meine Meinung sagen’, dachte ich fest entschlossen. Ich lief zügig weiter an dem halb geöffneten Tor vorbei und betrat schließlich den Bunker. Ich hatte nicht ernsthaft erwartet, dass man mich hier durchlassen würde, und dem war auch nicht so. Mich packte eine Hand an der Schulter, ein anderer hielt mich von vorne fest. Hey! ... Was soll das?!“, rief ich empört aus, obwohl ich eigentlich genau wusste, warum sie das taten. Zu meiner Verwunderung zerrten sie mich jedoch nicht aus dem Gebäude heraus, sondern nur noch weiter hoch, eine Wendeltreppe empor und in einen breiten Gang. Ich gab es auf, mich zu wehren. Sie blieben vor einer Stahltüre stehen. Das Wort „FÜHRER“ war deutlich an der Türe zu lesen. ‚Das kommt mir jetzt gelegen’, dachte ich und befreite mich ein wenig aus dem festen Griff der Soldaten. Einer von ihnen klopfte und betrat das Zimmer. Mir stockte der Atem. Vor mir saß – hinter einem Schreibtisch in einem Sessel – der leibhaftige Adolf Hitler. Die Soldaten ließen mich los und salutierten. Ich rieb mir meine schmerzenden Arme und starrte dann hinüber zu dem Führer. „Wer ist das?“, fragte dieser interessiert. „Wir sind ihm gefolgt, er kam aus einem der Kasernengebäude in der Wilhelmstraße!“, antwortete einer in strengem Ton. So langsam ging mir ein Licht auf. Doch ich sagte nichts. Der Führer runzelte die Stirn. Zwar bot sich mir nun die perfekte Gelegenheit, dem Führer meine Meinung zu sagen, doch wie ich so darüber nachdachte, schien mir dies nun schwieriger denn je. ‚Die werden mich umbringen’, dachte ich. Das heißt... Kann man in der Vergangenheit überhaupt umgebracht werden??? Ausprobieren wollte ich es jedenfalls nicht... Doch ich musste diese beängstigende Stille nun brechen. Hitler kam mir zuvor: „Was ist denn mit ihm, General?“, fragte er und musterte mich von unten bis oben. Die beiden Soldaten warfen sich kurz unentschlossene Blicke zu, dann setzte einer zu einer Antwort an: „Er hatte merkwürdige Kleider an. Unmittelbar nach dem Angriff der Russen tauchte er aus der Kaserne auf. Dann ging er wieder in das Haus in der Wilhelmstraße und tarnte sich wie ein ganz normaler Bürger. Er ist bestimmt ein Spion der Russen, und das gerade jetzt, wo wir doch schon gewonnen haben. Unten in der Halle bekamen wir ihn dann zu fassen und -“ „Bin ich nicht!!“, fiel ich dem Mann empört ins Wort und schwieg dann, bewusst darüber, dass ich lieber hätte den Mund halten sollen. „Soso...“, murmelte Hitler, „ein Spion...“ Jetzt reichte es mir. Ich beschloss, dem Führer die Wahrheit über meine Herkunft und meine Absichten zu sagen; Sekunden später floss die ganze Geschichte aus mir heraus, als wenn ich alles schon Stunden vorher und genau so geplant hätte: „Ich komme aus der Zukunft – aus dem Jahre 2006, um genauer zu sein. Ich weiß selber nicht genau, wie ich hierher kam, und genauso wenig, wie ich wieder zurück in meine Zeit kommen soll. Doch irgendwo bin ich froh, hier und jetzt vor Ihnen zu stehen, Herr Hitler! Ich erwarte nicht von Ihnen, dass Sie mir das glauben, doch meine „merkwürdigen Kleider“ waren lediglich Kleider der Mode des 21. Jahrhunderts!“ Verwundert zog der Führer die Augenbrauen hoch. „Was willst du?!“, fragte er barsch. „Ihnen meine Meinung sagen“, antwortete ich zähneknirschend, „und wenn es das letzte ist, was ich tue!“ Der Führer lachte gekünstelt, dann gab er den beiden Soldaten ein Zeichen, den Raum zu verlassen. Das taten sie dann auch. „So, Kleiner!“, fuhr Hitler fort, „dann sag mir mal deine Meinung!“ Genüsslich und mit einem Gesichtsausdruck gekünstelter Spannung ließ er sich in seinen Sessel zurücksinken. Ich brauchte eine Weile, bis ich mich gefangen hatte, schließlich begann ich: „Es ist schrecklich, was monatlich und sogar wöchentlich für Reportagen über den zweiten Weltkrieg bei uns im Fernseher zu sehen sind. Sie haben, beziehungsweise Sie werden ganz Deutschland und viele andere Länder in den Ruin getrieben haben! Ich habe keine Ahnung, welches Datum wir jetzt haben, konnte nur am Aussehen der Stadt feststellen, dass es das Jahr 1945 sein muss. Und ich werde Ihnen jetzt mal was sagen: Am 29. April dieses Jahres, neun Tage nach ihrem 56. Geburtstag werden Sie Ihre Lebensgefährtin heiraten – hier in diesem Gebäude. Nur einen Tag später werden Sie Selbstmord begehen und ihre Frau mit in den Tod reißen – und wissen Sie, warum? Weil sie sich dem Gerichtsprozess gegen Sie entziehen wollten!!! Sie ließen Deutschland in Schutt und Asche zurück, Millionen Menschen mussten sterben, und wofür? Man spricht heute, also im Jahre 2006 noch häufig darüber – Ihr Name ist überall bekannt. Aber nicht als der große, stolze, mächtige, angesehene Führer, sondern als Versager, der Unheil über Deutschland brachte. Ich bewundere Stauffenberg und all die anderen Leute, die nun schon Dutzende von Attentaten auf sie verübt haben, denn sie wussten, was sie tun. Vielleicht würde es Deutschland mit ihrem Tod nun besser gehen! Das ist meine Meinung!!“ Ich schwieg und blieb wutschnaubend stehen. Hitler schwieg, betrachtete mich nur grinsend. Nach ein paar Sekunden – mir kamen sie vor wie Stunden – redete er: „Wer sagt mir, dass du kein Spion aus Russland oder den U.S.A bist? Du kannst sonst wem erzählen, dass du eine Zeitreise von 60 Jahren hinter dir hast!“ – „Aber...“, versuchte ich einzuwenden, doch er fiel mir ins Wort: „Und jetzt mach, dass du hier wegkommst! Meine Männer da vor der Tür werden schon wissen, was mit dir zu machen ist!“ „Aber -“, wiederholte ich, doch ich brachte kein Wort mehr hervor; schon fiel die Türe auf, Hitlers Soldaten betraten den Raum und zerrten mich auf eine Geste des Führers wieder nach draußen, den Gang entlang und die Wendeltreppe hinunter. „Hey!“, schrie ich, „was habt ihr vor?!“ „Das, was uns ausländischen Spionen würdig erscheint!!“, schrie einer zurück und sie zerrten mich weiter, durch die Halle, das Gebäude raus und dann nach rechts auf einen kleinen Truppenübungsplatz. Einer von ihnen ließ mich los und gestikulierte einen weiteren Soldaten zu uns. „Erschießt ihn!", befahl der, den Hitler den General genannt hatte, und ließ mich mit den beiden anderen alleine. Der eine lud ein Gewehr, der andere packte mich abermals und lief mit mir zu einer Betonwand. Ich wehrte mich verzweifelt, bis es mir gelang, dem Soldaten dermaßen in den Arm zu beißen, dass ihm ein Schrei entfuhr und er von mir abließ. Das war meine Chance: Ich rannte wieder vor das Haus, an dem Tor vorbei. Ein Schuss fiel; ich wollte mich zu Boden werfen, doch meine Beine gehorchten nicht und trugen mich weiter, durch Straßen, Gassen und schließlich zu dem großen Gebäude, dem Kasernengebäude in der Wilhelmstraße, bei dem meine kleine Reise begonnen hatte. Ich stürzte in den Gebäudeeingang. Ich drehte mich um und stellte erschrocken fest, dass mich die beiden Soldaten immer noch verfolgten. So versteckte ich mich in dem Gang. Sie liefen an dem Haus vorbei, ohne mich zu sehen. Als die Luft rein war, stürmte ich die morsche Treppe empor bis ins vierte Stockwerk des Hauses, wo ich den Raum betrat, den ich als den erkannte, in dem ich vor einer guten drei viertel Stunde noch aufgewacht war. Nur: Wie sollte ich nun wieder zurück ins Jahr 2006, in den 28.04.2006 kommen? Plötzlich wurde mir etwas klar: Wenn ich tatsächlich genau 61 Jahre zurückgereist war, dann musste das heißen, dass hier nun der 28.04.1945 war. Ich war also einen Tag, bevor Hitler Eva Braun geheiratet hatte, hier angekommen – also eigentlich genau rechtzeitig. Dass mein kleines Gespräch mit Hitler irgendwas bewirkt haben konnte, das bezweifelte ich jedoch sehr. Plötzlich fielen mir die Augen zu, ich legte mich hin und schlief mit diesen ganzen Gedanken seelenruhig ein. Als ich erwachte, war um mich herum alles hell. ‚Bin ich... etwa tot?’, fragte ich mich. Ach was... machte ich mir dann klar, und langsam wurden schärfere Umrisse sichtbar. Ich war wieder in meinem Zimmer, in meinem Bett – im Jahr 2006! „Joschi, Frühstück ist fertig!“, rief mich plötzlich meine Mutter. Überglücklich sprang ich aus meinem Bett und ging in unser Esszimmer, wo meine Mutter, mein Vater und meine Schwester schon am reichlich gedeckten Frühstückstisch saßen. Ich wünschte ihnen einen guten Morgen, setzte mich, nahm mir ein Brot und blätterte ein wenig in der Zeitung herum. Dort war groß gedruckt die Überschrift zu lesen: DIE GANZE WELT FEIERT DEN 40. TODESTAG VON ADOLF HITLER.40. Todestag? Adolf Hitler. Sollte das heißen... Hitler war erst 1966 gestorben? Im Alter von 77 Jahren? Ich schaute kurz zu meinen Eltern, die gemütlich ihre Brezeln verspeisten. Ich las den Artikel weiter: Am 28. April 1966 starb der ehemalige Führer in seinem Haus bei Berlin im Bett, während seine Frau Eva Braun und seine sieben Kinder dabei waren und Abschied von ihm nehmen konnten. Noch heute kann sich niemand seinen Stimmungswandel erklären, als er 1945 einen Friedensvertrag mit den Russen und der U.S.A. abschloss und seinen Rücktritt verkündete. Genau 21 Jahre später – am 28.04 stirbt er an Altersschwäche.Ach, ich wüsste zu gern, was den Führer damals darauf gebracht hat... aber egal, was... es war sehr gut! seufzte meine Mutter. Ja, das ist es...“, seufzte ich glücklich und biss in mein Brot Ende