ALEC

ALEC

Von: Hannah, Alter: 14

Es war ein ganz normaler Montagmorgen. Leah dachte gar nicht daran, dass dieser Tag anders werden könnte als jeder andere Tag. Jedenfalls war Montag der schlimmste Tag. Heute musste sie Gary wiedersehen. Und ihm ein für alle mal klar machen dass sie nicht mehr mit ihm zusammensein wollte. Sie hasste es ihm so wehtun zu müssen. Gary war der coolste Junge an der ganzen Schule, doch mehr als tiefe Freundschaft empfand sie nicht für ihn. Lustlos packte sie ihre Sachen und lief extra langsam zur Schule, um die Sache hinauszuzögern. Er wartete auf dem Pausenhof. Mit seiner schwarzen Lederjacke und der kunstvoll gegelten Frisur sah er einfach perfekt aus. Er lehnte lässig an seinem Wagen, die Hände in die Hosentasche gesteckt und lächelte, als er Leah kommen sah. "Hallo Schatz" sagte er und wollte Leah einen Kuss geben doch sie drehte sich weg. "Gary, ich..." Gary wurde misstrauisch. "Alles okay bei dir?" Leah biss sich auf die Lippe. "Ich...ja, alles okay." Sie lächelte halbherzig und verfluchte sich inerlich weil sie so feige war. Nach der Schule war sie nur noch deprimierter. Gary war kein Idiot und sie spürte, dass er gemerkt hatte, dass sie nervös war. Morgen musste sie es ihm sagen! Und dann war sie endlich wieder frei! Völlig in Gedanken versunken überquerte sie die Straße und bemerkte den schwarzen Käfer nicht, der in rasender Geschwindigkeit auf sie zuraste. Der Fahrer hupte laut und Leah fuhr erschrocken hoch, doch es schien zu spät. Der Käfer würde nicht mehr bremsen können. Sie schloss schon die Augen und wartete auf das bittere Ende, als sie merkte, dass sie durch die Luft flog. Leicht wie eine Feder landete sie wieder auf dem Boden und schlug verwundert die Augen auf. Sie stand auf dem Gehweg, der schwarze Käfer raste weiter die Straße entlang. "Alles okay?" fragte da jemand. Leah drehte sich ruckartig um. Neben ihr stand ein Junge, er schien ein jahr älter zu sein als die in ihrer Klasse, vielleicht achtzehn oder neunzehn. Er hatte schwarze Haare, helle Haut und wunderschöne blaue Augen, die von dichten schwarzen Wimpern umrahmt wurden und sorgenvoll auf sie herab blickten. Leah nickte lahm und völlig willenlos unter dem einfühlsamen Blick dieser Augen. Der fremde Mann lächelte. "Dann ist ja gut. Pass aber besser auf, wenn du die Straße überquerst." Er lächelte noch einmal, dann drehte er sich um. "Warte!", rief Leah und packte den Mann am Arm. "Danke. Wie heißen sie?" "Alec", antwortete der Mann und seine blauen Augen brannten sich in die ihre. "Ich heiße Alec. Und wem habe ich das Leben gerettet?", fragte er schelmisch. Leah lächelte. "Ich bin Leah." Alec überlegte einen Moment, dann sagte er:" Was hältst du davon mit mir einen Tee zu trinken?" Leah strahlte. "Schrecklich gerne!" Es wurde ein langer Tag. Alec war so...anders als die anderen. Anders als ihre Freunde. Ganz anders als Gary. Er war so einfühlsam und verständnisvoll. Am Abend lagen sie nebeneinander auf der Wiese beim Spielplatz und betrachteten die Sterne. Plötzlich fiel eine Sternschnuppe herab. "Wünsch dir was", sagte Alec. Leah schloss die Augen und wünschte sich etwas mit aller Kraft. "Was hast du dir gewünscht?", fragte Alec neugierig. "Wenn ich dir das sage dann wird es nicht wahr", erwiderte Leah. "Bitte", sagte Alec leise und nahm Leahs Hand. Ein warmes Kribbeln durchströmte ihren Körper. "Ich hab mir gewünscht, dass du mich jetzt küsst", flüsterte sie und beim letzten Wort brach ihre Stimme. Doch Alec lächelte nur, beugte sich herab und küsste Leah ganz sanft. Es war ihr bestes Erlebnis. Viel besser als wenn Gary sie küsste. Als Leah die Augen wieder öffnete, war Alec verschwunden. Nur ein leiser Hauch von Liebe lag in der Luft. Als Leah gerade rufen wollte hörte sie eine Stimme in ihrem Kopf. Alecs Stimme! "Meine geliebte Leah. Bitte sei nicht traurig, dass ich dich verlassen muss. Aber ich habe keine Wahl. Ich bin nicht real, Leah, ich bin aber auch keine Einbildung deiner Fantasie. Ich bin wie der Wind, nicht sichtbar aber dennoch da. Du hast mich für einen Tag gesehen, weil du Hilfe gebraucht hast. Ich liebe dich, Leah. Und bitte überdenke das mit Gary noch einmal. Er liebt dich mehr als du denkst. Ich bin immer bei dir Leah, immer um dich herum und wenn du dich einsam fühlst, dann denk an mich - du kannst davon ausgehen, dass ich in dem Moment auch an dich denke. Leb wohl" Leah hatte Tränen der Rührung und der Trauer in den Augen. Sie brauchte lange bis sie diesen magischen Ort verlassen konnte und sich auf den Heimweg machen. Am nächsten Tag traf sie Gary wieder auf dem Pausenhof. Sie lächelte als sie ihn sah und auch er schien froh sie wiederzusehen. Sie gab ihm zur Begrüßung einen Kuss und merkte, wie sie ihn wirklich liebte. Da hörte sie Alecs Stimme in ihrem Kopf. "So ist es gut, Leah." Und sie lächelte glücklich.