Ich rannte so schnell ich konnte.

Ich rannte so schnell ich konnte.

Von: Lilly, Alter: 12

Ich rannte so schnell ich konnte. Nur weg von hier, dachte ich. Der Schlamm spitzte mir bis zu den Knien und beschmutzte meine Jeans. Mama würde nachher sauer sein. Egal. Nur schnell weg. Mein Schulanzen hopste hinten auf meinem rücken herum. Ich blieb kurz stehen um die Gurte stramm zu ziehen. Dann warf ich einen kurzen Blick über meine Schulter. Keine Menschenseele zu sehen. Mein Brustkorb hob und senkte sich schnell. ich holte einmal tief Luft. Schon besser. Meine Beine zitterten unaufhörlich. Ich hatte immer noch Angst. Warum mussten auch gerade die bösen Jungs aus der Schule mich auf dem Kicker haben. Warum nicht den blöden eingebildeten Max aus der Parallelklasse? Mein Blick schweifte über die Landschaft. Wo war ich überhaupt? Diese Gegend hatte ich noch nie gesehen und das will ja schon was heißen in unserem Minidorf. Ich sah nur Felder und Wiesen. Und einen Zaun. Moment mal, einen Zaun? Langsam trat ich an die hohen Holzphähler heran. Mein Ranzen glitt mir von den Schultern. Geschickt zog ich mich an dem Holz hoch und setzte mich auf den obersten Balken. Doch auch hier war nur noch mehr Wiese. Meine Gedanken wurden ruhiger und ich wurde ein wenig schläfrig. Langsam döste ich ein. Den schweren Hufschlag hörte ich zuerst. Dann eine weiche Pferdeschnauze die an mir schnupperte. Ich schrak auf und das riesige Pferd flüchtete. Es galoppierte auf der Wiese herum. So ein starkes, selbstwilliges Wesen hatte ich noch nie gesehen. Fasziniert von dem Anblick glitt ich von dem Zaun herunter. Das Pferd stoppte und schaute mir direkt in die Augen. Es schaute mir direkt in die Seele. Da es endlich still stand konnte ich es einmal betrachten. Es war wirklich riesig und konnte einem bestimmt Angst machen. Doch ich hatte keine. Das Fell war schwarz, Schweif und Mähne leicht gewellt, zerzaust und ebenfalls schwarz. Ich machte einen Schritt auf das Pferd zu. Es kam ebenfalls näher. Weitere Schritte von beiden Seiten. In der Mitte der Wiese trafen wir uns. Ich legte meine kleine Hand zwischen die Augen des Pferdes. Es schnaubte zufrieden. Ich musste ein wenig lächeln. Das Fell fühlte sich so weich an. Das Pferd machte einen Schritt zurück. Mit offenem Mund beobachtete ich wie es sich hinlegte. Ich weiß nicht was in diesem moment mit mir geschehen war. Wie in Trance ging ich auf das Pferd zu, glitt auf seinen Rücken und krallte meine Finger fest in seine Mähne. Erst als ich sicher war erhob es sich. Ich fühlte den waren Rücken unter mir und den beruhigenden Herzschlag. Das Pferd machte einen Schritt. Es fühlte sich gut an. Ich beugte mich nach vorne. ,,Sei frei'', flüsterte ich in sein Ohr. Und es galoppiert los. So etwa hatte ich noch nie erlebt. Ich fühlte mich so sicher wie noch nie. Ich gehörter zu dem Pferd und das Pferd zu mir. Ich lachte aus vollem Hals und mein Pferd beschleunigte noch. Endlich hatte ich meine Bestimmung gefunden. Ich ließ mich nach vorne fallen und umarmte mein Pferd. Nahm das alles tief in mich auf und verschloss es in meinem Herzen. Und niemand würde es da jemals wieder rausbekommen.