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Wie Knobi Kalle, der Kranführer, und stolzer
Besitzer einer Bretterbude wird
War das ein schöner Tag, erinnert sich Knobi,
ach, wie schön ich es doch damals hatte! Damals als bei uns der
‚Tag des Kindes‘ war.
Knobi sitzt in seinem Zimmer auf dem Fußboden
zwischen all seinen Sachen und denkt an diesen schönen Tag
zurück. Der ist schon lange vorbei, und eigentlich geht es ihm
heute gar nicht so gut.
Mutter hat ihn wieder mal mit Pauken und Trompeten
in sein Zimmer gebracht.
"So, und hier bleibst du, bis es Abendessen gibt,
verstanden?" hat sie gesagt.
Nein, nicht gesagt, sondern geschrien hat sie es. Und als die Tür
zu war, rief sie noch:
"Jetzt hast du genug Zeit, um über deine Dummheit
nachzudenken."
Dabei war es doch überhaupt gar keine Dummheit!
Er wollte doch nur zu einem Geheimversteck kommen. Seine
Holzklötze müssen ja irgendwo aufbewahrt werden.Und der Karton
auf dem Kleiderschrank ist nicht sicher genug. Nee, nee, denn wenn
Mutter den mal zufällig braucht .... nee!
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Also machte sich Knobi an die Arbeit, mit Hammer
und Schraubenzieher ein Loch in die Wand des Nähzimmers zu hauen.
Natürlich hatte Knobi sich die Stelle genau ausgesucht: genau
über der Kommode, wo das Bild mit der Frau hängt, die einen
riesigen Blumenstrauß auf dem Arm hält. Niemand wird auf die
Idee kommen hinter das Bild zu schauen, niemand wird vermuten,
dass dahinter ein Geheimversteck ist, dachte Knobi.
Das Loch sollte nur so groß werden, dass die Klötze
hineinpassten.
Knobi war schon den dritten Tag an der Arbeit, schließlich hatte
er nur Zeit dazu, wenn niemand zu Hause war. Es war ja geheim!
Alles musste er jedesmal hinterher sehr sauber machen, damit
keiner etwas merkte. Knobi war gerade so schön beim Hauen, da
hörte er plötzlich die Wohnungstür ins Schloss fallen. Ihm
blieb kaum Zeit, irgend etwas zu verstecken, da stand schon Mutter
in der Tür.
Na, und seitdem sitzt er nun in seinem Zimmer und
soll nachdenken.
Ja, dieser ‚Tag des Kindes‘ war schon eine
feine Sache. Wie waren sie alle lieb zu ihm gewesen!
Seine Eltern hatten sich an diesem Tag viel Zeit genommen, ‚um
es ihrem Liebling den ganzen Tag recht zu machen‘, sagten sie.
Am Morgen traute Knobi seinen Augen nicht, als er zur Uhr blickte:
Es war erst 8 Uhr, und seine Eltern kamen schon ins Zimmer herein
und fragten, ob er vielleicht im Bett frühstücken wolle.
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Na sowas! Normalerweise soll Knobi sonntags immer
schön leise im Zimmer allein spielen, bis die Eltern aufwachen.
Na und ob er im Bett frühstücken wollte! Er bekam sogar ein
weiches Ei.
Dann spielten er und Mutter den ganzen Vormittag in seinem Zimmer
mit seinen Spielsachen.
Zum Mittagessen wünschte er sich Steak mit Erbsen und Pommes
Frites, und er bekam es auch. Zum Nachtisch gab es Eis.
Am Nachmittag gingen sie alle ins Kino, und er durfte dort sogar
eine Cola trinken!
Abends haben alle zusammen erst Mau-Mau und dann Schwarzer Peter
gespielt. Den ganzen Abend! Dazu tranken sie Limo und aßen Chips.
Es war wirklich sehr lustig, selbst Vater hat viel gelacht.
Als Knobi ins Bett ging, war es draußen schon lange dunkel.
Mutter blieb bei ihm im Zimmer und legte ihre Hand auf seine
Backe, bis er eingeschlafen war.
Und stell dir vor, es war nicht Knobi allein, dem es an diesem Tag
so gut ging. Nein, viele Kinder hatten sich am ‚Tag des Kindes‘
erfreuen dürfen, denn viele Eltern hatten am Vorabend den
Ratgeber mit Dr. Robin am Bildschirm verfolgt und fanden seinen
Vorschlag so großartig, dass sie ihn ausprobierten.
Doch das ist lange her. Knobi sitzt auf dem
Fußboden und zieht, während er in Gedanken bei diesem schönen
Tag ist, die Füllungen seiner Filzstifte heraus. Schon eine ganze
Menge bunter Stäbchen liegt vor ihm.
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Heute
ist kein schöner Tag, stellt er immer wieder fest. Wenn er hier
bis zum Abendessen hocken soll, dann wird das sogar noch ein
grässlicher Tag werden. Knobi steht auf und geht zum Fenster.
Und ein neues Versteck für meine Klötze muss ich mir auch noch
überlegen, denkt er. Die hat Knobi vorerst in seiner Fototasche
versteckt.
Er steht am Fenster und schaut gelangweilt hinaus. Sein Blick
fällt auf den Kran, der hinter den drei gegenüberliegenden
Häusern steil herausragt. Knobi sieht nicht, was der Kran gerade
hebt und senkt, dazu verdecken ihm diese Häuser die Sicht. Er
sieht nur den Kranarm, wie dieser sich majestätisch von einer
Seite zur anderen dreht und dann wieder zurück.
Wo der Kranführer wohl sitzt? fragt sich Knobi. Der hat‘s gut!
Sitzt da und regiert die Welt.
Warum bin ich nur so klein? Wieso können immer nur die anderen so
was Tolles machen?
Bewundernd verfolgt Knobi die Bewegungen des Krans. Und da fasst
er einen Entschluss:
Nein er wird nicht warten, bis er groß ist, um alles
auszuprobieren! Nein, nicht er, nicht Knobi! Und er wird auch
nicht hier hocken bis zum Abend und stundenlang nachdenken über
eine Dummheit, die doch gar keine Dummheit ist. Er kann doch
nichts dafür, dass Mutter so früh heimkam. Nein, er wird sich
den Nachmittag nicht verderben lassen.
Er wird jetzt gehen und es sich ordentlich lustig machen. Und
Mutter wird nichts davon merken; bis zum Abendessen wird er wieder
zurück sein.
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Knobi
holt aus der Fototasche seine Holzklötze und steckt sich in jede
Hosentasche einen. Er öffnet das Fenster, klettert vorsichtig
hinaus und macht sich so unbemerkt aus dem Staube.
Die große Straße entlang läuft er an drei Häuserblocks vorbei
und geht dann rechts herum. Vor ihm liegt die große Baustelle,
von der er nur die Kranspitze von seinem Zimmer aus sehen konnte.
Jetzt sieht er alles; die ganze große Baustelle liegt vor seinen
Augen.
Vor nicht langer Zeit stand hier noch ein altes, graues
Fabrikgebäude.
Knobi war einige Male durch ein kaputtes Fenster hineingekrochen
und hatte sich alles von innen beguckt. Endlos konnte man darin
herumlaufen.
Alles Mögliche lag dort herum: ein Kanister, Blechlatten, große
Metallstäbe und viele andere Dinge, von denen Knobi überhaupt
keine Namen kennt. Er hatte dort auch einen dunkelgrünen Kuli
gefunden, der noch richtig schrieb. Den hatte er natürlich mit
nach Hause genommen. Allerdings weiß er nicht mehr, wo er ihn in
seinem Zimmer hingelegt hat.
Gern hätte er noch viel mehr von den Dingen, die in der alten
Fabrik rumlagen, mit nach Hause genommen, aber vieles war einfach
zu schwer zum Tragen.
Als Knobi das erste Mal in der alten Fabrik war, hätte er beinahe
nicht mehr den Ausgang gefunden.
Das war vielleicht schlimm!
Na, und eines Tages wurde um die alte Fabrik herum ein großer
Bretterzaun genagelt. Nicht viel später rissen Bauarbeiter die
Fabrik ab.
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Mit Kränen, Baggern und Lastwagen bringen sie
jetzt den Schutt weg. Nur an der hinteren Seite steht noch ein
kleiner Teil der Fabrik. "Da kommt ein großes Hotel für
Messegäste hin", hat Vater einmal gesagt.
Knobi steht am Bauzaun und guckt auf den großen
Kran. Der Lärm stört ihn nicht.
Da entdeckt er den Kranführer: In seinem Führerhäuschen auf
mittlerer Höhe sitzt er, zieht und drückt an Hebeln und gibt
einem unten stehenden Bauarbeiter Handzeichen.
Toll, denkt Knobi, einfach toll!
Gerade hat der Kran eine schwere Eisenplatte auf einen Lastwagen
heruntergelassen. Ein Bauarbeiter ist noch dabei, die Haken des
Kranseils von der Platte zu lösen. Da wird es plötzlich leiser,
denn der Motor des Krans wurde abgestellt. Die
Führerhäuschentür geht auf, und der Kranführer kommt
herausgeklettert.
Der Bauarbeiter am Lastwagen brüllt zum Kranführer hoch:
"He, Kalle, was‘n los?"
"Ich mach Feierabend, mir ist nicht gut", ruft dieser
zurück und steigt dabei langsam die Kranleiter hinunter. Kurz
darauf ist Kalle, der Kranführer, unten.
"Ihr müsst die halbe Stunde noch ohne mich
weitermachen", sagt er zu seinen Kumpels, "ich glaub,
ich werd krank."
"Alles klar, Kalle", sagt da der andere und klopft ihm
dabei auf die Schulter, "wir schaffen das schon ohne dich.
Ist eh gleich Feierabend. Sieh zu, dass du morgen wieder fit
bist."
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Knobi hat alles verstanden und beobachtet jetzt,
wie Kalle zu einem kleinen Bauarbeiterhäuschen geht. Durch die Fensterscheibe sieht
Knobi, wie er einen Schlüssel an ein Brett hängt, seinen Helm
abnimmt, in ein Regal legt und wieder herauskommt. Nicht weit vom
Bauzaun schließt er das Schloss eines Fahrrades auf, setzt sich
auf das Fahrrad und fährt los.
Mist, warum habe ich nur mein Rad nicht dabei, denkt Knobi und
fängt an, hinterherzurennen.
Doch er kommt dabei gar nicht so sehr aus der Puste, denn Kalle
fährt sehr langsam.
Knobi passt jetzt auf, dass er von Kalle nicht bemerkt wird. Viele
Straßen geht es lang, mal rechts herum, mal links herum, mal
geradeaus, und Knobi bleibt immer hinter Kalle. Vor einem
zweistöckigen Häuserblock hält Kalle an, blitzschnell
verschwindet Knobi hinter der großen Mülltonne des Hauses.
Als er aus seinem Versteck hervorlugt, ist das Fahrrad schon
abgestellt und Kalle in der Eingangstür verschwunden.
Knobi kommt wieder hervor und geht auch zum Eingang. Ihn
interessieren jetzt die Namensschilder bei den Klingelknöpfen:
"Busch, Neumann, Schmitt", murmelt Knobi vor sich hin
und sucht weiter.
"Da, da steht‘s: Ida und Kalle Woll", liest Knobi
erleichtert.
Und noch erleichterter stellt er fest, dass dieser Kalle Woll im
Parterre links wohnt, denn der Klingelknopf ist auch unten links.
(Knobi ist ja nicht dumm!)
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Er geht
ein Stückchen nach links auf die Rabatte vorm Haus. Über ihm
sind drei Fenster: Die gehören zu Kalles Wohnung, weiß Knobi.
Er überlegt. Dann geht er zur Mülltonne zurück, bei der er sich
vorhin versteckt hat und holt den großen Karton, der wohl da
liegt, weil er in die Tonne nicht hineinpasst. Den Karton legt er
genau unter das größte Fenster, denn dieses ist leicht
geöffnet. Er steigt auf den Karton und kann nun sehr gut ins
Fenster hineingucken: Kalle ist gerade dabei, seine Schuhe
auszuziehen. Nacheinander schmeißt er seine Schuhe von sich.
"Und stör mich nicht, Ida. Ich brauch meinen Schlaf",
ruft er zur Tür hinaus.
Von weither erklingt eine Frauenstimme:"Ja, ist schon
gut."
Und ein Frauengesicht erscheint im Türrahmen.
Ida, denkt Knobi.
"Nein, ich stör dich schon nicht. Wollte sowieso gerade hoch
zu Frau Schmitt gehen", sagt Ida zu Kalle.
Sie dreht sich um und will wieder durch die Tür verschwinden,
doch da sagt sie noch:
"Deine Schuhe könntest du aber doch noch ordentlich
hinstellen, oder?" "Hm", knurrt da Kalle, als er
wieder allein ist.
Nun zieht er nacheinander Jacke, Hemd und Hose aus und schleudert
sie in hohem Bogen auf die Couch, die direkt vor Knobis Fenster
steht. Dann verschwindet er im Nebenzimmer.
Knobi schaut sich um: Keiner kann ihn sehen, ein Baum steht
schützend hinter ihm.
Er stößt das Fenster ganz auf, nimmt Schwung und - hops- ist er
mit dem Ellenbogen auf dem Fensterbrett. Mit aller Kraft zieht er
seinen Körper hoch, bis er ein Knie auf dem Fensterbrett hat.
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Dann geht alles wie von selbst.
Wie ein Dieb schleicht sich Knobi in die Wohnung von Kalle, dem
Kranführer. Er landet direkt auf der Couch, wo Kalles Kleidung
verknüllt liegt, so, als wartet sie bereits darauf ,von Knobi
angezogen zu werden.
Und das hat Knobi auch vor.
Schnell hat er seine Sachen ausgezogen und unter der Couch
versteckt, sicher ist sicher, Die Holzklötze hat er natürlich
vorher aus der Hosentasche genommen.
Nun zieht er rasch Kalles Sachen an.
Und schon streift er sich - dschschschschd - den Gummi des einen
Klotzes über den einen Fuß und - dschschschschd - den Gummi des
anderen über den zweiten Fuß.
Knobi schaut hinab auf seine Hände - er sieht sie - die Jacke ist
also nicht mehr zu groß, er ist Kalle, der Kranführer!
Vorsichtshalber wirft er noch einen Blick ins Nebenzimmer und
stellt dabei mit Genugtuung fest, dass Kalle fest schläft.
Trotzdem, denkt Knobi, sicher ist sicher, und er
steigt aus dem Fenster wieder heraus. Ida möchte er jetzt
nämlich nicht gerade begegnen.
Als Knobi vor Kalles Fahrrad steht, greift er in die Jackentasche
und zieht mit einem Grinsen im Gesicht den Fahrradschlüssel
hervor, um das Fahrradschloss aufzuschließen. Er hat sich nicht
geirrt: Kalle hatte ihn in seine Jacke gesteckt, genau so wie
Knobi es immer macht. Auf geht‘s ins Abenteuer! jubelt Knobi in
sich hinein, während er kräftig in die Pedale tritt. Wohin er
fährt? Ist doch klar, oder?
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"He,
Kalle, was‘n jetzt los mit dir. Haste was vergessen?" ruft
ein Bauarbeiter zu Knobi herüber, als er gerade das Fahrrad am
Bauzaun abstellt.
"Nee, bin wieder fit", ruft Knobi zurück.
"Ich hab ‘ne Tablette genommen und leg jetzt ‘ne
Sonderschicht ein."
"Aber ohne uns", sagt da ein anderer, der seinen Helm
schon genommen hat, "wir sind fertig für heut´, und keiner
hält uns hier ‘ne Minute länger. Feierabend ist Feierabend,
klar?"
"Logisch", sagt Knobi, "geht nur nach Hause und
kümmert euch nicht um mich."
Kurz darauf ist die Baustelle wie leergefegt. Alles ist still,
kein Motor läuft mehr, kein einziger Bauarbeiter ist mehr zu
sehen.
Bis auf einen einzigen: Knobi, alias Kalle, der Kranführer. Im
Bauarbeiterhäuschen setzt er sich erst mal den gelben Helm auf.
Und der passt wie angegossen.
Dann fällt sein Blick auf das Brett, an dem der Schlüssel für
den Kran hängen muss.
Herrje, da hängen ja ‘ne Menge Schlüssel! stellt er fest. Zum
Glück sind alle beschriftet: Lastwagen, Bagger, Kran ...ja, den
Kranschlüssel, den will er, und er steckt ihn in seine Tasche.
Nun geht er zum Kran.
Groß und gewaltig steht er vor ihm.
"Mein Kran!" jubelt Knobi, und ein freudiges Gefühl
klettert in ihm hoch.
"Mein Kran, ich komme", ruft er nochmal und fängt an,
die 56 Sprossen der Kranleiter hochzuklettern.
Danach muss er noch zwei weitere kleine Treppchen mit je 3 Stufen
besteigen, dann ist er endlich am Führerhaus. Die Tür ist nicht
verschlossen, und er geht hinein.
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Da sitzt
er nun, der Knobi, hoch über der Welt und fühlt sich wie ein
König. Wie das alles anders aussieht von hier oben! Alles ist so
klein wie Spielzeug.
Da ist ja unser Haus, freut er sich.
Er kann zwar nur das obere Stockwerk sehen, findet das aber
trotzdem wunderbar.
Und da läuft ja Elli mit ihrem Freund Arm in Arm umher. Nachdem
er eine Weile so geschaut hat, sagt er laut:
"So, jetzt wollen wir aber mal ein bißchen Gas geben, nicht
wahr, mein lieber Kran?"
Er holt den Schlüssel aus seiner Tasche, um ihn ins Zündschloss
zu stecken. Als er ihn rumdreht, geht ein riesengroßes Getöse
los.
Zuerst erschreckt sich Knobi etwas, denn dass der Motor so einen
Lärm machen würde, hätte er nicht gedacht. Doch um sich zu
fürchten, hat er jetzt keine Zeit.
Er beginnt, vorsichtig die einzelnen Hebel vor sich zu bedienen.
Dabei bemerkt er, dass er nicht nur so aussieht wie Kalle, sondern
dass er auch Kran fahren kann wie Kalle. Ganz schnell hat Knobi
alles im Griff.
"Jippijeeee!", ruft er ganz laut und lässt den Kranarm
rechtsherum und linksherum, nach oben und nach unten fahren, eben
so, wie er gerade lustig ist.
Unten am Bauzaun sind ein paar Menschen stehen geblieben und
schauen mit offenen Mündern und runden Augen nach oben. Auch Elli
und ihr Freund sind darunter. So einen wilden Kranführer haben
sie noch nicht gesehen.
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Ha,
denen werde ich was zeigen, denkt Knobi, und er lässt immer
schneller und wilder den Kranarm herumfahren. Es macht ihm einen
Riesenspaß.
Jetzt hat er sogar einen Hebel entdeckt, der den ganzen Kran sich
fortbewegen lässt. Langsam fährt der Kran auf Schienen innerhalb
der Baustelle immer wieder vor und zurück.
Jetzt lässt Knobi den Kranarm gezielt hinab; Ellis Freund, dieser
Klaus-Peter, ist sein Ziel. Der hat so eine komische rote Mütze
auf.
Mit voller Konzentration lässt er das Seil mit dem Haken genau
über Klaus-Peter hinab... und... schwups, ehe Klaus-Peter sich
versieht, hängt seine rote Mütze am Haken.
Da geht ein großes Gelächter los bei den Zuschauern. Und ...
schwups, lässt Knobi die Mütze wieder fallen, diesmal auf Ellis
Kopf.
Die Menschen lachen und lachen. Wie im Zoo, wenn der Affe ein
Späßchen gemacht hat.
Plötzlich entdeckt Knobi im Baugelände eine etwas versteckt
liegende kleine Bretterbude.
Die stand sicher einmal im Hof der alten Fabrik und soll jetzt
auch auf den Schrott, denkt sich Knobi.
Er lässt den Kranarm genau über die Bretterbude gleiten und
senkt ihn so weit wie möglich. Dann klettert er vom Kran hinunter
und läuft zu dieser Bretterbude. Er hakt das Kranseil, das genau
über der Bude hängt, zwischen zwei Brettern an der Bude ein.
Das war keine sehr schwere Arbeit und er läuft vergnügt zurück
zum Kran, um wieder im Führerhäuschen zu verschwinden.
Oben lässt er den Kranarm vorsichtig in die Höhe fahren. Und
tatsächlich, die Bretterbude schwebt!
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Vor der
Baustellenausfahrt steht ein großer Lastwagen, gerade richtig
für Knobi, denn er lässt den Kranarm, an dem die Bude hängt,
genau über den Laster gleiten.Dann, sachte, sachte, lässt er ihn
ganz langsam nach unten fahren, bis die Bude auf dem Lastwagen zum
Stehen kommt. Geschafft, denkt Knobi, zieht den Zündschlüssel
aus dem Zündschloss und klettert wieder nach unten.
Im Bauarbeiterhäuschen wechselt er die Schlüssel, hängt den
Kranschlüssel ans Brett und nimmt dafür den Lastwagenschlüssel
ab.
Mit einem Satz sitzt er im Lastwagen! Auch hier findet sich Knobi
natürlich schnell zurecht. Der Motor springt an, und nach einigen
Versuchen weiß er, wie es vorwärts und rückwärts geht.
Los geht‘s, sagt er sich und knattert guter Dinge in dem
Lastwagen mit der Bretterbude aus der Baustelle hinaus. Die Leute
am Bauzaun winken ihm freundlich hinterher. Auf der Straße fährt
er links herum und dann immer geradeaus, an drei Häuserblocks
vorbei.
Nun ist er an seinem Haus angelangt; hier will er hinten zum Hof
hinein. Die Einfahrt ist etwas eng, doch Knobi ist ein guter
Fahrer. Ohne Schwierigkeiten gelangt er mitten auf die Wiese im
Hof.
Es dauert gar nicht lange, und schon öffnen sich viele Fenster
der umliegenden Wohnungen. Empörte Gesichter gucken heraus.
Sicherlich schimpfen sie, aber Knobi hört es nicht, weil der
Motor noch läuft.
Da stellt er ihn ab, steigt langsam aus dem Auto und ruft:
"Das hier ist ein Geschenk für Knobi Breuer."
Und er zeigt dabei auf die Bretterbude.
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"Ein
Geschenk für alle Kinder. Aber Knobi Breuer soll der Bestimmer
darüber sein, damit es keinen Ärger gibt. Der wohnt doch hier,
oder?"
Keiner der Bewohner sagt ein Wort, alle nicken stumm und glotzen,
als wäre Knobi mit seinem Lastwagen das 7.Weltwunder.
Noch nie ist einer mit einem Lastwagen in den Hof gefahren. Und
schon gar nicht, um für Kinder eine Bude zum Spielen zu bringen.
Im Hof wird sowieso schon genug Krach gemacht, finden zumindest
die, die keine Kinder haben, und das sind eine ganze Menge.
Knobi sieht auch seine Mutter am Fenster stehen, auch sie staunt
nicht schlecht.
Er grinst, steigt wieder ins Auto und startet den Motor. Elegant
lässt er den Kipper hochfahren und mit einem großen Plumps
rutscht die Bretterbude vom Auto hinunter auf die Wiese. Und -
Glück gehabt - sie steht sogar richtig herum.
Knobi ist zufrieden, winkt noch mal lässig seinen Zuschauern aus
dem heruntergekurbelten Fenster zu und brummt wieder davon.
Er fährt noch ein bisschen durch die Stadt, hupt mal hier und mal
da, bevor er wieder die Baustelle ansteuert.
Gerne hätte er noch den Bagger ausprobiert, der da so verlockend
steht, aber so viel Zeit hat er nicht mehr. Er muss ja noch Kalles
Sachen zurückbringen.
Ordentlich stellt er den Lastwagen ab, bringt Schlüssel und Helm
zum Bauarbeiterhäuschen und fährt mit Kalles Fahrrad zur Wohnung
von Kalle und Ida Woll.
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Dort findet er alles vor wie vorher. Hoffentlich
ist diese Ida noch bei Frau Schmitt, denkt Knobi, als er das
Fahrrad abschließt.
Nachdem er festgestellt hat, dass niemand im Zimmer ist, kriecht
er wieder zum Fenster hinein; den Karton, der immer noch davor
liegt, braucht er dafür nicht mehr, er ist ja groß,er ist ja
Kalle Woll.
Im Zimmer liegt ein Zettel auf dem Tisch, den Knobi sofort liest:
‚Du schläfst wie ein Bär im Winterschlaf. Kann dich nicht
wecken. Bin bei Emma. Ida!‘
Knobi atmet erleichtert auf, kramt seine Sachen unter der Couch
hervor und zieht die Holzklötze von seinen Füßen ab. Er zieht
Kalles Sachen aus und pfeffert sie auf die Couch. Nachdem er seine
Sachen angezogen hat, steckt er die Holzklötze in die
Hosentaschen. Schwungvoll hüpft er aus dem Fenster und landet auf
dem Karton, den er dann wieder zur Mülltonne zurückstellt.
"Dideldideldum, der Knobi ist nicht dumm,
Dideldideldein und auch nicht immer klein," |

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singt Knobi vergnügt auf dem Nachhauseweg. Alles,
was beim Gehen vor seine Füße kommt, kickt er durch die Gegend.
Kurze Zeit später sitzt er wieder in seinem
Zimmer, nachdem er unbemerkt durchs Fenster gekrochen ist.
Es riecht schon nach Abendessen. Da geht die Tür auf und Mutter
erscheint:
"Nun, Knobi, ich denke, du hast genug Zeit zum Nachdenken
gehabt. Also komm raus, wir essen jetzt."
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Knobi
merkt, wie Mutter rumdruckst, noch etwas sagen will, aber nicht so
recht weiß, wie sie es sagen soll.
Schließlich sagt sie: "Knobi, du, es ist zwar nicht so ganz
passend, nach dem, was du heute wieder angestellt hast, aber komm
doch mal mit."
Sie führt Knobi zum Schlafzimmerfenster.
"Das hier hat heute ein Bauarbeiter gebracht", sagt sie
weiter und zeigt dabei auf die Bretterbude, die im Hof steht.
"Er sagte, die sei für dich und die Kinder zum Spielen. Und
du sollst darüber bestimmen, damit es keinen Ärger gibt."
"Ist doch prima", sagt Knobi und tut so, als sei er sehr
überrascht. "Nur schade, dass ich nicht mitangesehen habe,
wie der Bauarbeiter die Bude abgeladen hat." Da geht die
Wohnungstür auf und Elli stürmt herein: "Mama, Papa, Sofie,
Knobi, heute muss ich euch aber was erzählen...."
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