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Wie Knobi sein eigener Vater wird und dabei zu
sehr vielen Süßigkeiten kommt
Oben auf dem Dachboden vor dem Spiegel schaut
Knobi immer wieder an sich selbst herunter und dann in den
Spiegel. Er kann es immer noch nicht fassen: Er sieht aus wie sein
Vater.
Knobi ist kein dummer Junge. Er geht zwar nicht
immer gern zur Schule, aber das heißt ja nicht, dass er dumm ist.
Nein, Knobi ist nicht dumm. Er weiß sofort: Mit den Holzklötzen
wird er eine Menge Spaß haben!
Er wusste ja schon immer, dass die alte Masswe keine gewöhnliche
Frau ist. Nur sie kann so etwas Wunderbares auf dem Dachboden
versteckt halten. Jetzt versteht Knobi das auch mit dem großen
Ereignis, das die alte Masswe damals vorhergesehen hatte. Das hier
sollte das große Ereignis sein, der Fund der Holzklötze! Sie
wird sicher nichts dagegen haben, dass er, Knobi, dem dieses
große Ereignis ja angekündigt wurde, ein Paar Klötze behält.
Knobi geht zum Platz der alten Masswe zurück. Er schnürt
behutsam das Paket wieder zu, legt es vorsichtig hinter das große
Bild und schiebt die Nähmaschine wieder an ihren Platz zurück.
Er prüft die Klötze an seinen Füßen: Sitzen sie auch noch gut?
Dann macht er sich auf den Weg zur Mutter in die Wohnung zurück.
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Doch da
bekommt er einen Schreck. Was ist jetzt mit Papa? fragt er sich.
Gibt es nun zwei Väter? Oder ist Papa vielleicht Knobi? Oder was.
Verunsichert schleicht er sich zunächst an der Küche vorbei, um
einen Blick durch das Schlüsselloch des Schlafzimmers zu werfen,
in dem Vater arbeitet. Mutter hat ja vorhin in der Küche gesagt,
dass er schon zu Hause sei, sich aber Arbeit mitgebracht habe.
Ja, da sitzt Vater am Schreibtisch mit dem Rücken zur Tür. Knobi
hat ihn genau im Blickfeld. Er arbeitet wohl immer noch.
Aber Moment mal, schreibt er denn wirklich? Knobi muss sein linkes
Auge fest zuhalten, damit er besser sieht. Sitzt Vater nicht etwas
zusammengesunken da? Und, wenn er länger hinguckt, hebt und senkt
sich nicht ganz gleichmäßig der Oberkörper? Ist Papa etwa
eingeschlafen? wundert sich Knobi. Das macht er doch sonst nie um
diese Zeit!
Vor Aufregung hält Knobi den Atem an. Sein Herz pocht wie wild im
Hals. Ganz vorsichtig klopft er an die Tür und guckt weiter durch‘s
Schlüsselloch. Vater rührt sich nicht. Seltsam, denkt Knobi und
klopft lauter. Vater rührt sich immer noch nicht. Nun ahnt Knobi
etwas und bekommt auf einmal Mut: Er öffnet die Tür, schleicht
hinein und schließt sie sofort wieder hinter sich. Vater sitzt
unverändert am Schreibtisch. Knobi nähert sich ihm vorsichtig
von hinten und vernimmt ein süßes Schnarchen. Langsam fängt
auch Knobi wieder an zu atmen und wird ruhiger.
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Nun will er es wissen und ruft: "Papa,
Papa!"
Nichts geschieht, Vater schläft weiter.
Knobi rüttelt ihn fest mit beiden Händen und ruft noch einmal:
"Papa, Papa, hallo!"
Doch Vater schläft weiter, er lässt sich durch nichts wecken. Da
wird Knobi noch mutiger: Während er Vater nicht aus den Augen
lässt, zieht er vorsichtig einen Holzklotz vom Fuß. Im selben
Moment beginnt Vater sich plötzlich zu regen; er dehnt sich und
streckt die Arme weit nach hinten hoch.
Schnell streift sich Knobi wieder den Klotz über den Fuß. Und
siehe da: Vater ist wieder in tiefen Schlaf gesunken! Nun hält
Knobi nichts mehr zurück, sich ganz und gar über seine
Holzklötze zu freuen. Und wie er sich freut! Er tanzt von einem
Klotz auf den anderen und strahlt über das ganze Gesicht.
Jetzt kann ja nichts mehr schiefgehen, denkt Knobi und tanzt
unbekümmert aus dem Zimmer wieder hinaus.
In der Küche lehnt er sich gemütlich an den
Rahmen. Mutter steht immer noch am Herd und rührt hektisch mit
dem Kochlöffel im Topf herum. Da blickt sie kurz auf und schaut
zur Tür:
"Ach, Frank", seufzt sie, den Blick wieder zum Kochtopf
gerichtet, "wieso hast du wieder deine alten Sachen
angezogen? Du weißt doch, die kommen zur Altkleidersammlung. Du
bist ja schlimmer als Knobi, der hatte sie vorhin auch schon
an."
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Knobi
will etwas sagen, doch da spricht Mutter schon weiter:
"Bist du schon mit deiner Arbeit fertig? Ich dachte, du
wolltest arbeiten, bis wir zu Abend essen? Es dauert mindestens
noch eine halbe Stunde, bis es soweit ist."
Jetzt kommt endlich Knobi zu Wort:
"Ich muss noch mal kurz einkaufen gehen."
"Ist ja gut," erwidert Mutter. "Ach Frank, bringst
du mir noch ein Bund Petersilie mit, wenn du gehst?"
"Okay", sagt Knobi, "mach‘ ich", und geht
dabei zum Schrank in der Küche, und holt Vaters Portmonee. Ein
tolles Portmonee, findet Knobi, so groß, so schwer und so viel
Geld drin! Jetzt aber nichts wie weg, sagt er sich und verlässt
die Wohnung. Auf der Straße fühlt er sich großartig. Nachbarn
begegnen ihm und grüßen höflich:
"Guten Abend, Herr Breuer."
Herr Breuer, Herr Breuer, ich bin Herr Breuer, jubelt Knobi. Im
Supermarkt geht er mit dem Einkaufswagen zielstrebig zum Regal mit
Süßigkeiten und läd ein: drei Tafeln Schokolade, drei Tüten
Fruchtgummi, zwei Päckchen von dem Kaugummi, mit dem man große
Blasen machen kann, zwei Tüten Lakritze, zwei Tafeln
Schokopuffreis und drei Tüten Bonbons. Das langt, denkt Knobi.
Nun will Knobi zur Kasse. Zum Glück fällt ihm noch vorher die
Petersilie ein. Er geht zum Obst und nimmt sich dort ein Bund. An
der Kasse richtet sich sein Blick auf das Regal mit den
Zeitschriften.
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Unten liegen immer so herrliche Comic-Hefte. Die
kauft Mutter nie, auch wenn Knobi noch so sehr darum bettelt.
Heute aber landen gleich zwei davon im Einkaufswagen. Auch das gut
verpackte, bei dem noch Spielzeug mit dabei ist, wird heute
gekauft.
Knobi bezahlt lässig mit einem Hundertmarkschein, nimmt das
Wechselgeld entgegen, lässt sich eine Tüte geben und macht sich
auf den Nachhauseweg.
"Dideldideldum, der Knobi ist nicht dumm,
Dideldideldein und auch nicht immer klein," |

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feixt Knobi. Er fühlt sich großartig.
Doch plötzlich trübt ein Gedanke Knobis gute
Laune: Was ist, wenn Vater mittlerweile aufgewacht ist?
Vor der Wohnungstür bemerkt er, dass die Haustür nur angelehnt
ist. Ein Glück! Mutter ist also im Moment nicht in der Wohnung,
sondern hängt gerade die Wäsche auf dem Dachboden auf. Klar, da
lässt sie immer die Wohnungstür angelehnt. Knobi atmet etwas
erleichtert auf. In der Wohnung ist alles still.
Knobi schleicht sich zur Schlafzimmertür. Er guckt doch lieber
erst durch das Schlüsselloch, bevor er hineingeht und sieht
sofort, dassVater noch haargenau so dasitzt wie vorhin. Er
schläft also immer noch!
Auf dem Flur sieht er Mutter gerade durch die Wohnungstür
hereinkommen. „Hast du die Petersilie?" fragt sie.
"Klar", antwortet Knobi, zieht den Bund aus der Tüte
und wirft ihn Mutter lässig zu.
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"Ich hole jetzt Knobi vom Hof. Weißt du, ich
werde ihm sagen, dass in seinem Zimmer eine Überraschung auf ihn
wartet. Wenn wir heute Abend weggehen, darf er sie haben,
ja?".
"Ja, ja," sagt Mutter zerstreut. "Das Essen ist
jede Minute fertig. Und zieh dann erst mal die Sachen aus,"
setzt Mutter noch hinzu.
Knobi verschwindet im Nähzimmer, zieht die Holzklötze ab, zieht
Jacke, Hemd und Hose aus und schlüpft wieder in die eigenen
Sachen, die neben dem Stapel der ausrangierten Wäsche liegen. Die
Holzklötze versteckt er in einem Karton auf dem Kleiderschrank.
Zwei Minuten später kommt Vater, korrekt gekleidet und sichtlich
guter Laune (er hat anscheinend gut geschlafen) aus dem
Schlafzimmer und geht auf Knobi zu:
"Na, mein Junge, alles klar? Bist du auch lieb, wenn Mama und
ich heute Abend weggehen?" Noch bevor Knobi antworten kann,
ruft Mutter: "Essen!"
Kurz darauf sitzen drei gutgelaunte Breuers am
Abendbrottisch. Alle sind zufrieden. Mutter Breuer, weil sie so
einen fleißigen und lieben Sohn hat, Vater Breuer, weil er so
ausgesprochen gut geschlafen hat und Knobi Breuer, weil er einen
tollen Abend vor sich hat: Mit Fernsehen, Comic-Heften und vielen,
vielen Süßigkeiten.
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