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Ein ganz gewöhnlicher Junge
Knobi ist eigentlich ein ganz gewöhnlicher Junge.
Er ist 7 Jahre alt und geht in die zweite Klasse. Er ist nicht
besonders groß und nicht besonders klein. Seine braunen Haare
sind leicht gewellt und reichen ihm knapp über die Ohren. Er hat
blaue Augen mit schwarzen, dichten Wimpern und eine Stupsnase. Als
Knobi noch fünf war, dachten viele Erwachsene, Knobi sei ein
Mädchen. "Na, will die Kleine vielleicht ‘ne Scheibe
Wurst?" fragten oft Verkäuferinnen. Knobi war dann immer
sauer. Aber die Wurst nahm er trotzdem.
Knobi kann wunderbar laut mit der Zunge knallen.
So laut, dass sich viele Leute schon richtig erschreckt haben.
Größere Kinder fragen ihn immer, wenn er knallt:
"Wie machst‘en das? Gib zu, du hast was im Mund." Aber
Knobi hat nichts im Mund.
Er kann wirklich echt mit der Zunge knallen. Niemand kann das so
wie er. Stimmt, das ist etwas Außergewöhnliches.
Nur mit dem Pfeifen wollte es lange nicht klappen. Sogar Angela,
ein Nachbarskind und ein halbes Jahr jünger als Knobi, konnte es
schon lange vor ihm. Oh, da war er ganz schön geknickt. Und als
er dann endlich die ersten Töne herausbrachte, war er ziemlich
stolz.
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Allerdings pfiff er zunächst erst falsch herum.
Er sog die Luft durch die Lippen ein, statt sie hinauszupusten.
Aber das hatte zum Glück niemand bemerkt. Und jetzt kann er
beides, nach innen und nach außen pfeifen.
Knobi hat eine Mutter, einen Vater und zwei viel
ältere Schwestern. Knobi denkt manchmal, ich hab´ zwar
Geschwister, aber irgendwie hab´ ich auch wieder keine, denn die
sind schon wie Große und kommandieren einen immer nur herum:
Knobi hol dieses, Knobi tu jenes und so weiter, immer dasselbe.
Langweilig ist das. Ja, so denkt Knobi oft. Er hat nämlich etwas
gegen die Großen, die immer bestimmen.
Knobis Eltern gehen beide bis spät nachmittags
arbeiten, und das findet er gar nicht schlecht. So hat er
wenigstens nach der Schule seine Ruhe und wird nicht genervt. Wenn
die Mutter dann nach Hause kommt, geht es sowieso immer los:
"Knobi! Hast du dein Zimmer aufgeräumt?" ruft sie,
sobald sie die Wohnung betreten hat. Dann dauert es keine Sekunde,
und schon steht sie in Knobis Zimmer und sagt enttäuscht:
"Ach Knobi! Immer dasselbe! Wie oft soll ich dir das noch
sagen, du sollst in deinem Zimmer nicht ständig solch eine
Unordnung machen!"
Und dann sagt sie noch: "Los! Auf geht‘s!"
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Na und dann muss er eben aufräumen, obwohl er dazu gerade überhaupt
keine Lust hat.Und genau das meint Knobi mit dem Bestimmen. Immer
muss alles so gemacht werden, wie die Großen das wollen. Wie die
meisten Kinder findet Knobi die Schule manchmal doof und manchmal
gut. Meistens findet er sie aber doof, weil da auch die Lehrerin
immer bestimmt. Immer! Von der ersten bis zur letzten Minute. Das
findet Knobi einfach ungerecht. Er darf nicht einfach mal
bestimmen: "So, und jetzt legt ihr alle eure Stifte hin,
jetzt geh‘n wir raus spielen!"Nee, nee, das geht natürlich
nicht. Im Kindergarten war es die Kindergärtnerin, die bestimmen
durfte. In der Schule ist es nun Frau Schuster, die Lehrerin, und
zu Hause sind und bleiben es natürlich immer die Eltern und die
Schwestern. Wenn er sich darüber beschwert, sagt seine Mutter:
"Aber Knobi, du bist doch noch so klein. Jemand muss doch
bestimmen. Bestimmen heißt doch auch für einen sorgen. Und wir
sorgen für dich. Wenn du später groß bist, kannst du selbst
bestimmen."
Irgendwie sieht das Knobi auch ein, aber es dauert noch so
schrecklich lange, bis er groß ist.
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Manchmal ist es aber auch richtig lustig zu Hause.
Wenn seine Mutter gute Laune hat, kommt es vor, dass sie beim
Essen Grimassen schneidet und ihr Gesicht wie ein ekelhaftes
Ungeheuer verzieht. Da ist dem Knobi schon manches Mal das Essen
aus dem Mund gefallen, vor lauter Lachen. Das findet er dann
natürlich super.
Oder seine Mutter fängt auf einmal an, in einer komischen Sprache
zu sprechen: "Knaba, gabst da mar mal dan Zackar?"
Und wenn er das dann nicht gleich verstanden hat, fängt sie an,
im Spaß zu schimpfen:
"Varstahst da dann nacht? Da Dammkapf! Dan Zackar sallst da
mar gaban, dan Zackar!" Dabei zeigt sie wild mit ihren
Fingern auf den Zucker.
Klar, dann versteht Knobi, was Mutter will. Doch dann muss er so
doll lachen, dass er nur ganz wackelig den Zucker seiner Mutter
reichen und ganz undeutlich ‚battaschan‘ sagen kann.
So findet es Knobi in seinem Leben mal gut und mal
schlecht. Mal beklagt er sich, mal freut er sich. Ja, Knobi wäre
eigentlich ein ganz gewöhnlicher Junge, wenn da nicht diese
Holzklötze wären......
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