Juni 2017

Der Neue


Heute ist ein warmer, schöner Sommertag, und ich sitze in der Schule. Unserm Mathelehrer schenke ich keine Aufmerksamkeit, sondern starre aus dem Fenster. Ein Klopfen reißt mich völlig aus der Trance! Ganz irritiert merke ich, dass immer noch Unterricht ist. An der Tür die unser Pauker Cole geöffnet hat, steht … ein … Junge … und fragt: „Ist das hier die 9c?“. Mister Cole antwortet ihm, und fragt uns (ironisch), wo er sich hinsetzen soll. Im ersten Moment sehe ich nur seine braunen, dunklen, vertrauenswürdigen Augen und im nächsten schreie ich: „Hier! Hier kann er sitzen!“.
Ehe mir das überhaupt bewusst wird, sitzt Nick Parson schon neben mir. Ich betrachte ihn genauer und mir fallen sein rabenschwarzes, verwuscheltes Haar, sein süßer Mund und … da, da waren doch eben beim Lächeln zwei Grübchen!
„Habe ich nun Hallus? Müssen die Männer in weißen Kitteln kommen? Hey, was ist los mit mir?“. „Penny?“. „Du meinst …?“. „Jaaaa… !!“. „Ich? Gefühle? Für Nick?! – Äh, naja, weiß nich' so recht!“.
Das stottere ich zu meiner besten Freundin Jenny. „Hallo?! Penny? Stöhn! Du hast eindeutig die Liebeskrankheit!!“.

Nach der Schule strample ich mich mal wieder auf dem Fahrrad nach Hause ab. Laufe den kleinen Weg entlang, schließe die Haustür auf, rufe: „Hallo? Jemand daheim?“, renne die Treppe rauf in mein Zimmer. Ohne auf eine Antwort zu warten, schalte ich das Radio ein und falle auf mein Bett! …
Dem Fußgetrampel nach zu urteilen, bekomme ich Besuch von meinem Bruder. Er ist vier Jahre älter als ich und denkt, er sei etwas Besonderes. Gebe zu, das ist er auch, im positiven wie negativen Sinne! „Na Schwesterherz, wie war's in der Schule?“. Das fragt er ständig und nicht, weil er wissen möchte, wie es wirklich war! „Oliver? Was willst du?!“. Dann kommt meistens eine schlechte Note oder etwas Ausgefressenes. Doch dieses Mal, stottert er etwas von Susan, seiner neuen Flamme. Eigentlich kann ich ihn damit immer erpressen, aber da ich irgendwie auch verliebt bin, erspare ich es ihm dieses Mal. Irritiert deswegen, sieht er mich an, zieht die linke Augenbraue hoch und fragt: „Wieso grinst du nicht so hämisch wie sonst?!“. Doch bevor ich überhaupt antworten kann, hänge ich im Schwitzkasten. Ich weiß, dass das nicht gut geht! Meine Rettung: Mom ruft zum Essen. Wie immer fragt Daddy, wie es in der Schule und sonst so war. Vom Neuen erzähle ich, versuche aber nicht rot zu werden, gelingt mir auch irgendwie! Aber der 18 jährige Herr Sohnemann kriegt bei Susan nicht mehr die Kurve. Rette ihm den Hals, mit der Frage: „Bekomme ich mal bitte die Soße?“, wie blöd von mir, jetzt haben meine Kartoffeln und das Gemüse schwimmen gelernt! …
Abends im Bett betrachte ich die Sterne und kann nur an Nick denken! Bei einer Sternschnuppe wünsche ich mir: … Wird nicht verraten!

...

Diese Nacht bekomme ich kaum ein Auge zu, merkwürdige Geräusche haben mich geweckt. Gehe runter in die Küche, so im Halbschlaf. Mein Kopf ist voll mit sinnlosen Gedanken. Da, da futtert sich eine Gestalt durch unseren Kühlschrank.
Aha, solche Aktionen startet nur Oliver.
Mich soll's nicht stören, will ein Glas Milch. Murmele etwas von: „Guten Morgen, oder gute Nacht!?“, gehe wieder ins Bett.
Am nächsten Morgen frage ich mit hämischen Hintergedanken und um Olli in Schwierigkeiten zu bringen: „Hat's geschmeckt? Ich meine gestern Abend!“, beiße mit einem Zwinkern in mein Honigbrötchen. Weiß, dass er es mir zurückzahlen wird, stört mich im Moment aber nicht.
Heute fahre ich mit dem Bus, weil ich noch Hausaufgaben machen „will“ . Schreibe aber nur seitenweise: Nick! Erste Stunde: Chemie mit Jones! Dem schlimmsten und langweiligsten Lehrer an dieser Schule. Jenny und ich schreiben die ganze Zeit Zettelchen. Mr. Jones ist leicht zu täuschen, aber bei Arbeiten sind wir fair (Wir mogeln nicht!).


Ich weiß einfach nicht, wie ich mit Nick flirten soll. Hast du 'ne Idee?
Sprich ihn doch einfach an. Frag ihn doch, wo er herkommt.
Ich trau mich nicht so richtig. Ich bin nicht so mutig wie du!
Na dann schreib ihm doch!
Wie? Mit Zettel?
Ja! Wohl kaum auf deinem Schulbrot!
Ich versuch's, aber erst wenn er mich nachher anguckt!
Okay?
Okay!


Die nächsten Stunden verlaufen reibungslos. Dann im Kunstunterricht:
Nick fragt mich: „Worum geht's? Haste mal 'nen Bleier?!“. Hä? „Sorry, aber einen was?“.
„Na einen BLEISTIFT!“. Diesen “Bleier“ werde ich überall hin mitnehmen und nie wieder benutzen.
In der Pause bei einem leckeren Eis, zeige ich Jennifer den Bleistift und schreie sie fast an: „Mit diesem Stift hat Nick gezeichnet!!“. Jenny lacht und antwortet mir: „Süße!
Ich weiß, du bist verliebt, aber er sitzt neben dir, berührt dein T-Shirt und das wäschst du ja auch!“ Denke nur, sie hat Recht, trotzdem mache ich nichts mehr mit dem Stift…

Jetzt sitze ich am Schreibtisch, höre Musik und mache Hausaufgaben. Gelingt mir gut, bis auf den Teil, dass es langweilig wie sonst was ist. So gegen zehn fallen mir die Augen zu. Wache auf und merke, dass ich bei Geschichte eingeschlafen bin.
Notiz an mich: Schreibtisch ist viel zu hart und unbequem zum Übernachten.
Geschichte = gute Bettlektüre (zum Gähnen!)

Krieche ins Bett und träume süß!



Ich hoffe, meine Story gefällt euch! =)






© Jessica,15 Jahre




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