Januar 2018

Der Buchschreiber


Wer das jetzt liest, wird sich sagen, das heißt Autor. Doch der Buchschreiber, der übrigens Max Paul Anton hieß, der war so heruntergekommen und arm, daß man nur noch Buchschreiber sagen kann. Dieser Buchschreiber mußte irgendwie doch wieder zu Geld verdienen. Er hatte ja bloß eine kleine Strohhütte, die er sich selbst mit Mühe und Not gebaut hatte und die nicht sehr stabil war (wie man sich vorstellen kann), einen alten, fast leeren, Gaskocher, ein paar alte, rostige Töpfe, einen Teller mit Sprung, einmal verbogenes Besteck, einen wackeligen Tisch, einen alten Stuhl mit drei Beinen, den er dadurch noch benutzen konnte daß er die drei Beine halb abgesägt hatte und unter dem fehlenden Bein Bücher gelegt hatte, und Papier und Feder. Womit sollte er also ein Geschäft machen? Die Töpfe verkaufen? Das würde nicht viel bringen, außerdem, die Töpfe nahm ihm sowieso keiner ab. Jedenfalls eines Abends, er hatte wieder nichts zu essen, saß er an dem kleinen Tisch, das Papier und Feder und Tinte vor sich auf dem Tisch. Ihm fiel nichts mehr ein! So etwas ist sehr schlimm für einen Autor bzw. Buchschreiber. Seine Augen füllten sich mit Tränen. Bisher hatte er immer versucht ein Optimist zu sein und es war ihm auch halbwegs gut gelungen, aber jetzt war er nur noch verzweifelt. Aber da fiel ihm ein, er könnte doch schreiben, was er die ganze Zeit denkt. Aber er verwarf diese Idee gleich wieder, obwohl sie so schlecht ja nicht war. Er überlegte hin und her, und schließlich schrieb er auf das ganze Blatt nur: "Nichts". Immer nur das eine Wort. Zum Schluß schrieb er seinen Namen darunter. Als er sich das Blatt noch einmal ansah, fand er es dann doch blöd, was er da geschrieben hatte. Er zerknüllte das Papier und warf es wütend in die Ecke. Einige Tage später starb er. Doch ein Freund erinnerte sich an Max Paul Anton und wollte ihn besuchen. Aber er fand nur den Toten. Als der Freund, der auch ein Autor war, sich so in dem Raum umsah, fand er das zerknüllte Papier auf dem Boden. Er hob es auf und las es. Als er davon dann aufblickte, sah er den Toten an und dachte: "Da hat er sicherlich aufgeschrieben was er hatte, denn wenn ich mich hier umgucke, er hatte ja nichts. Daran ist er ja wohl auch gestorben; an Hunger und Durst." Und damit hatte er wohl auch gar nicht so unrecht, ja er war dem eigentlich sehr nahe was Max Paul Anton gedacht hatte, beim Aufschreiben dieses Wortes. Der Autor ließ den Toten Begraben und nahm das zerknüllte Papier mit. Später als der Autor selber schon tot war, ging es los. ... Das zerknüllte Papier wurde gefunden als man die Schriftstücke des Autoren las. Zuerst dachte man, das Papier sei von dem Autoren, aber der Name Max Paul Anton Stand ja drunter. Und da der Autor ein berühmter, oder wenigstens ein bißchen berühmt war, dachten alle, das Schriftstück wäre sehr wertvoll, weil ja auch die Schrift schon alt war. Das Blatt wurde in einem Museum ausgestellt, wo es als Zeichen alter Autorenkunst galt, und so wurde der arme Buchschreiber doch noch berühmt.


© Anna Lena H. PARIS DEUTSCHE SCHULE




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