April 2017

Können schwarze Hengste sprechen?

Lee saß in der Bücherei ihrer Eltern und blätterte in einem Buch über Pferde. Lee liebte Pferde und wünschte sich zum Geburtstag ein Eigenes. Natürlich wusste sie, dass ihr dieser Wunsch nie, nie, nie, nie in Erfüllung gehen würde.
Von draußen hörte sie Schreie. Im ersten Moment machte sie sich keine Gedanken. Erst als sie ein Pferdewiehern hörte, legte sie das Buch beiseite und trat zum Fenster und schaute hinaus. In diesem Moment schoss ein schwarzer Blitz am Fenster der Bücherei vorbei. Sie rannte raus um zu sehen was los war. Sie sah ein verängstigtes Pferd um sich schlagend. Ein paar Menschen schossen auf das Pferd mit Pfeilen. Lee griff sofort ein und tat so, als ob sie auf dem Boden zusammen gebrochen wäre. Die Leute rannten zu ihr. In diesem Moment sprang sie auf und rannte dem flüchtenden Pferd hinterher.
In einer engen Gasse blieben die beiden stehen. Lee rang nach Luft. „Hier sind wir in Sicherheit“, sagte Lee. „Auch schon gemerkt?“, antwortete das Pferd. Lee sah den Hengst fassungslos an. Das Pferd starrte gleichgültig zurück: „Was glotzt du mich so an?“, fragte es dann. Lee konnte es noch immer nicht fassen und brachte keinen Ton heraus. „Na, gut“, sagte das Pferd, „da du ja immer noch keinen Ton heraus bringst, gehe ich lieber sofort, ich suche nämlich etwas und je eher ich anfange zu suchen, desto besser. Also, dann Tschüss.“ Das Pferd drehte sich um und wollte gerade gehen, da sagte Lee: „Warte!“ Das Pferd blieb stehen, drehte sich aber nicht um.
„Ich kann dir doch bei der Suche helfen!?“ Das Pferd drehte sich zu ihr um, dann fragte es leise: „Das würdest du tun?“ Lee nickte. „Ja, das würde ich“.
„Danke. Übrigens, ich heiße Black Night. Aber nenn mich Blacky.“ „Sehr erfreut dich kennen zu lernen, Blacky. Mein Name lautet Lee. Meine Eltern arbeiten tagsüber in einer Bibliothek.“
„In einer Blibie, äh Bibi, nein ah genau, Bibliothek? –das ist ja super!“, rief das Pferd. „ Ich suche nämlich nach einem Buch, einem bestimmten Buch. Ein Zauberbuch!“ „Oh, da muss ich dich enttäuschen. Zauberbücher haben wir nicht. Da musst du woanders suchen. Wie heißt das Buch denn?“, fragte Lee. „ Magie der Kraft“, antwortete Blacky.
„Na, dann machen wir uns mal auf die Suche“, sagte Lee.
„Eins noch“, sagte Blacky. „Das bleibt unser Geheimnis, verstanden?“ „Verstanden!“ sagte Lee.
Und so ging die Suche los. Sie suchten in allen Büchereien der Umgebung. Es verging ein Tag, zwei Tage, eine Woche, drei Wochen. Eines Tages, Lee kam gerade von einer der Suchen zurück, ging sie in die Bücherei ihrer Eltern um in ein paar Pferdebüchern zu stöbern. Sie sah in einer der Bücherreihen ein Buch leicht hervorstehen. Sie schob es zurück, las, was auf dem Buch stand und bekam große Augen. Auf dem Buch stand „MAGIE DER KRAFT“.
Lee ging zu ihrer Mutter und bat sie, das Buch zurück zu stellen, damit es sich niemand ausleihen kann. Lee`s Mutter fragte, welche Nummer das Buch hat.
„Warte kurz“, sagte Lee und ging zum Buch zurück: „3018“, rief sie. „Okay, notiert“, rief die Mutter zurück. „Ich gehe jetzt nach Hause.“ „Gute Nacht, mein Schatz.“
Als Lee am nächsten Morgen aufwachte, war es dunkel in ihrem Zimmer. „Komisch“, dachte sie, noch mit geschlossenen Augen. "Wir haben doch Sommer." Als sie die Augen öffnete, lachte sie los. Vor ihrem Bett stand Blacky mit einer Unterhose und zwei Socken auf dem Kopf.
„Was machst du denn mit meiner Wäsche auf dem Kopf?“ „Irgendwie muss ich doch hier rein kommen“, meinte Blacky zerknirscht. „Du hast verschlafen. Also, musste ich dich wecken. Wir wollen doch weitersuchen, oder?“ „Wir brauchen nicht weiterzusuchen. Ich habe das Buch gefunden.“
„Ehrlich? Dann müssen wir es sofort holen.“
„Ich gehe es holen. Du bleibst hier!“
Zehn Minuten später kam Lee mit dem Buch zurück. „Hier ist es“, sagte Lee.
„Super! Und was für ein Zufall, heute ist Vollmond. Schlag mal die Seite 3018 auf, da müsste alles über den Zaubertrank stehen. Genau, da steht´s ja. Gut, heute um fünf Minuten vor Zwölf treffen wir uns in der Gasse, wo wir uns kennen gelernt haben. Okay?“ „Okay, gebongt. Bis heute Nacht,“ verabschiedete sich Lee.
Um halb Zwölf zog Lee sich einen Pulli, eine Jeans, Socken und ihre braunen Chuks an. Sie nahm ihren Schlüssel, ihr Handy und zu allerletzt das Buch. Dieses tat sie in einen Beutel, den Beutel wiederum in einen anderen Beutel und dann alles zusammen in ihren Rucksack. Sie öffnete die Tür und schlich hinaus. Als sie in der kleinen Gasse angekommen war, war Blacky schon da.
„Hallo Blacky.“ „Hi, Lee, hast du das Buch?“ „Na, klar. Ich bin doch Lee Schlau.“ „Wieso Lee Schlau?“ „Mein Nachname ist Schlau.“ „Aha, na gut, dann machen wir uns auf den Weg. Los geht’s.“
Blacky hatte schon einen Platz im Wald ausgesucht. „So, und nun brauchen wir einen Stein mit einer Delle, egal wie groß.“ Lee fand sofort einen. Blacky sagte: „ABRENGADIUS.“ Und plötzlich stand da ein Kupferkessel. „So, und jetzt such mir ein „Z“ im Buch!“ „Hä?“ „Oh, du schlägst eine Seite im Buch auf, suchst mir ein „Z“ und ziehst es heraus!?“ „Häää?“ „Jetzt schlag eine Seite im Buch auf!“ „Ja,“ sagte Lee. „Und jetzt such da mal ein „Z“!“ „Ja, gefunden.“
„Und jetzt halt deinen Finger darüber und zieh!“ Lee tat es und es klappte. „Wow“, sagte Lee und guckte das „Z“ an. „Guck nicht so in der Gegend rum und tu es da rein!“ Lee tat das „Z“ in den Kessel.
„PENTITÄTUS!“, rief Blacky. Und schon war ein Trank im Kessel.
„Ich werde jetzt gehen. Wir werden uns nie wieder sehen. Ich bin dir sehr dankbar, Lee.“
„Keine Ursache, Blacky.“
„Auf Wiedersehen. Ich werde dich sehr vermissen“, sagte Blacky.
„Ich dich auch“, sagte Lee und strich Blacky über die Stirn.
Blacky trank einen Schluck und ging durch zwei Bäume, die sich gegenüber standen. Und dann war er verschwunden.
Statt seiner stand neben den Bäumen ein hübsches Mädchen mit weißem Kleid und langen schwarzen Haaren.

Lee erschrak und fragte: „Du hast doch hoffentlich nichts gesehen?“
„Nein“, sagte das Mädchen „ich war sogar dabei“.

Ende

Emily ,11 Köln, Maximilan Kolbe Gymnasium




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