|
Murks ist ein
blonder, fünfjähriger Junge. Er lebt mit seinen Eltern in einem Haus
direkt an der Bushaltestelle, und ziemlich nah am Kindergarten. Deshalb
darf er auch schon montags und mittwochs alleine vom Kindergarten nach
Hause kommen und dienstags und mittwochs sogar alleine hingehen. Außerdem
wird er ja auch bald sechs und kommt dann in die Schule. Und zur Schule
gehen nur wirklich große Kinder hat seine Mama ihm gesagt. Deshalb muss er
jetzt schon für die Schule üben, dass er auch wirklich ein großes Kind
ist, wenn er eingeschult wird. Heute Morgen, es war Mittwoch, hat Murks
das zwanzigste Türchen an seinem Adventskalender aufgemacht. Es war
Schokolade drin, wie immer. Die steckte er sich in die Tasche, um sie mit
in den Kindergarten zu nehmen. Das zwanzigste Türchen. Das hieß, dass ja
in vier Tagen Weihnachten war (Murks konnte nämlich schon rechnen und
24-20 war ja nun mal vier) Murks war ganz aufgeregt, als er das
feststellte, denn er freute sich wirklich sehr auf weihnachten.
Hoffendlich würde er das neue Fahrrad und das ferngesteuerte Auto
bekommen, dass er sich so sehr gewünscht hatte. Als Murks aus dem Haus
ging und auf den Bürgersteig hüpfte, fing es gerade an zu schneien. Wie
ein Weltmeister tobte Murks durch den Schnee. Seine Mutter, die am Fenster
stand und ihm zum Abschied winkte, rief ihm lachend hinterher: "Das du mir
nicht als Schneemann heimkommst!" Murks lachte und hopste weiter durch den
Schnee. Schnee fand er toll. Er war so schön weiß und funkelte und
glitzerte so, wie der Stern, der heute Morgen ebenfalls in seinem
Adventskalender gelegen hatte. Es stand: "Fahrkarte zum Christkind"
darauf. Und auf der Rückseite "zum Einlösen bitte Schokolade essen!" Aber
das wusste Murks nicht, denn lesen konnte er nur ein paar Buchstaben: Das
"m", das "u", das "r", das "k" und das "s": Genau seinen Namen, was ja
schon ziemlich viel war, nur leider reichte es nicht, um zu lesen, was auf
dem Stern stand.. Also konnte er auch nicht lesen, was er heute besonderes
in seinem Adventskalender gefunden hatte. Der kleine goldene Stern, die
Fahrkarte zum Christkind, steckte mit der Schokolade (in Schneemannform)
in seiner Jackentasche. Kurz vor der Ecke, an der Murks seinen
Kindergarten schon sehen konnte, merkte er, wie kalt seine Hände schon
waren, vom vielen im Schnee Rumwühlen. Seine Handschuhe hatte er vergessen
einzustecken, also schob er seine Hände in die Jackentasche und entdeckte
sein vergessenes Stück Schokolade. Und wie Kinder nun mal sind, haben sie
eigentlich fast immer Lust auf Schokolade. So auch Murks. Mit einem Haps
verschwand die Schokolade in seinem Mund. Genüsslich lutschte und kaute
er. Als er das letzte Stück herunter geschluckt hatte, fing auf einmal der
Schnee vor ihm an aufzuwirbeln. Kleine weiße Flocken kamen auf einmal
nicht vom Himmel, sondern fielen vom Boden nach oben. Dann hörte er ein
leises Glockenleuten, dass immer lauter wurde, der Stern fiel aus einer
Jackentasche und ohne dass es sich Murks erklären konnte, konnte er auf
einmal lesen, was darauf stand "Fahrkarte zum Christkind" Das
Glockenläuten wurde lauter und kam immer näher. Auch der Schnee wurde
immer dichter, und plötzlich stand eine Kuh vor ihm. Eine Kuh? Werdet ihr
euch jetzt fragen? Ja, eine Kuh mit Glöckchen an den Hörnern. "ich bin der
Express zum Christkind", murmelte das Tier gelangweilt "bitte alles
einsteigen, die Türen schließen selbsttätig, bitte Vorsicht an der
Bahnsteigkante" Murks zwinkerte mit den Augen, er konnte gar nicht
fassen, was gerade passierte und schon gar nicht hatte er sich eine Kuh
als Express zum Christkind vorgestellt. "Wieso ist denn eine Kuh der
Express zum Christkind, ich dachte das wären Rentiere!", fragte Murks
naseweis. "Nein, die Rentiere gehören doch zum Weihnachtsmann. Die
hätten dich zwar auch abgeholt, schließlich wohnt der Weihnachtsmann
direkt neben dem Christkind, aber der braucht sie heute selbst. Gibt viel
zu Tun, vier Tage vor Weihnachten! Steigst du nun auf?" Sie bückte sich
etwas, so dass der kleine Murks (denn im Vergleich zu der Kuh war er
wirklich klein) auf ihren Rücken krabbeln konnte. "Mein Name ist
übrigens Kedama", murmelte die Kuh weiter "und warum sollte das Christkind
keine Kuh schicken, schließlich war ich ja auch im Stall anwesend, wenn du
dich erinnerst!" Murks erinnerte sich an die Weihnachtsgeschichte, die
hatte ihm seine Mutter schließlich schon oft genug erzählt, das Jesus in
einem Stall geboren wurde an Weihnachten "da wird wohl sicherlich auch
eine Kuh gewesen sein", dachte er. Und dann ging es los. Kedama fing an
zu laufen, sie trabte durch den Schnee und Murks musste sich gut
festhalten um nicht herunter zu fallen. Schließlich fiel ihm auf, dass sie
gar nicht mehr auf dem Boden liefen, sondern, dass Kedama langsam anfing
zu schweben, und zu fliegen, was ihn sehr wunderte, denn Kedama hatte
keine Flügel "Wo wohnt denn das Christkind?", fragte Murks
neugierig "Na wo wohl, im Himmel!", entgegnete Kedama. "Sieht du die
Wolke da oben, wo es so rot leuchtet?" Murks nickte "Da backen die
Engel gerade Plätzchen. Und direkt daneben, die Wolke, die besonders weiß
ist, da wohnt das Christkind." "Oh", staunte Murks "fliegen wir auch zu
den Engeln?" Denn Lust auf Plätzchen hätte er jetzt schon gehabt. Doch
Kedama schüttelte den Kopf, dass die Glöckchen an ihren Hörnern klimperten
"dafür ist keine Zeit. Schließlich musst du nach dem Kindergarten
pünktlich wieder nach Hause. Murks schmollte. Aber schließlich war ein
Besuch beim Christkind und der Flug auf Kedama schon Abenteuer
genug.
Von unten sah die
Christkindwolke aus, wie jede andere Wolke auch. Ein bisschen heller
vielleicht, wenn man genau hinsah und flauschiger sah sie auch aus. Aber
sonst unterschied sie nichts von normalen Wolken. Von unten wohlgemerkt.
Als Kedama jedoch höher stieg und zur Landung ansetzte, entdeckte Murks
ein kleines Häuschen aus Lebkuchen, "wie das der Hexe aus Hänsel und
Gretel!", dachte er. Als sie näher kamen, sah er auch noch viele
Weihnachtsplätzchen und Tannenzweige, die das Haus zierten. Der Garten
davor war mit Schnee überdeckt. Ein Schneemann mit einer Karotte als Nase
stand in der Mitte des Gartens und wurde gerade von kleinen Engelkindern
fertig gebastelt. "Sind denn alle Engel so klein?", fragte
Murks. "Nein", antwortete Kedama "das sind nur die Kinder der großen
Engel, wie bei den Menschen auch." "Hm", brachte Murks nur heraus, denn
er war überwältigt von den ganzen Dingen, die er sah und
erlebte.
Dann landete Kedama
im Garten des Christkindes und ein Engel kam aus dem Haus gestürmt
"Kinder, los, helft euren Eltern beim Plätzchen backen und Geschenke
besorgen. Dieses Jahr gibt es besonders viel zu tun!" Der große Engel
scheuchte die kleinen aus dem Garten und wandte sich dann Kedama zu: "wen
bringst du denn da?" "Das ist Murks", antwortete die Kuh. Der Engel
lächelte "Hallo Murks, schön dich kennen zu lernen. Ich bin das
Christkind!" Dem kleinen Jungen blieb die Spucke weg "was DU???" fragte
er "aber...aber, aber du siehst doch aus, wie die anderen Engel auch,
oder?" "Wie sollte ich denn sonst aussehen?", fragte da Christkind
lächelnd. Das konnte Murks auch nicht so genau beantworten, deshalb
blieb er erst mal stumm und folgte dem Christkind ins Haus hinein.
Drinnen war alles
weihnachtlich dekoriert, mit Lametta, viel Tanne, und schönen Lichtern.
Weihnachtsplätzchen standen auf kleinen Tischchen und überall wuselten
Engel mit Geschenkpapier herum. Das Christkind führte Murks einmal
durchs ganze Haus, bis sie schließlich vor einer riesig großen hölzernen
Tür standen. Die Tür war so groß, dass Murks, selbst wenn er auf den
Schultern seines Papas gestanden hätte, nicht bis oben hin reichen konnte.
Das Christkind machte eine kurze Bewegung mit der Hand und die Tür öffnete
sich, wie von selbst. Was Murks dann sah, ließ ihm fast die Spucke
wegbleiben: Vor ihm befand sich ein riesiger Raum, ein heller Raum, der
größer war, als sein Haus zuhause und das der Nachbarn zusammen. Viel
größer. Sehr viel größer. Und der ganze Raum war gefüllt mit Puppen,
Stofftieren, Bauklötzen und anderem Spielzeug. Murks hatte in seinem
ganzen Leben noch nie so viel Spielzeug auf einem Haufen gesehen. "Oh",
staunte er "was ist denn das?" "Das sind die Geschenke für die Kinder
auf der Erde!", antwortete das Christkind. "Sind auch meine dabei?",
flüsterte Murks ehrfürchtig. "Ja, entweder sie sind hier oder in einem
der 999 anderen Geschenkelagern." "So viele gibt es?" Murks kam aus dem
Staunen nicht mehr heraus. "Ja und sie reichen jedes Jahr weniger",
entgegnete das Christkind. "denn jedes Jahr wünschen sich die Kinder mehr
und größere Sachen, dass wir mit dem Spielzeug Bauen und Verpacken kaum
noch nachkommen. Das ist auch der Grund, warum ich dich gleich wieder
zurück nach unten auf die Erde schicken muss, denn ich habe wirklich
wieder besonders viel zu tun dieses Jahr. Die Kinder wünschen sich immer
mehr. Dabei können die meisten mit allen Sachen, die sie bekommen, gar
nicht richtig spielen, weil es so viele sind. Wäre es da nicht besser, man
bekäme nur wenig, aber dafür etwas, womit man wirklich viel spielen
kann?" Murks war still. Irgendwie hatte das Christkind ja recht.
Letztes Jahr Weihnachten hatte er eine Ritterburg bekommen, die er sich so
sehr gewünscht hatte, und nun spielte er gar nicht mehr damit, weil er
viel lieber draußen war und Fußball spielte oder Bilder malte. "Was
hast du dir denn gewünscht?", fragte das Christkind plötzlich. Murks
senkte verlegen den Kopf. Sein Wunschzettel war auch mal wieder mehr als
eine Seite lang gewesen. "Das Christkind lächelte ihn an, "ah, ich
weiß schon: ein Fahrrad, ein ferngesteuertes Auto, einen neuen Fußball,
Fußballschuhe... und noch viel mehr!" Murks staunte "woher weißt du
das?" "Ich bin doch das Christkind, ich habe alle Wunschzettel der
Kinder im Kopf" Das war viel. Murks konnte sich noch nicht einmal seine
Hausnummer merken, und das Christkind wusste tatsächlich alle Wünsche der
Kinder auswendig? Dann sah Murks sich etwas genauer um und ihm fiel
auf, dass ja nur Spielzeug herum stand "was bekommen denn die
Erwachsenen?", fragte er erstaunt "bekommen die auch
Spielzeug?" "Nein", das Christkind winkte einem der Engel, der hastig
vorbei flog. Die Erwachsenen bekommen nur ganz selten noch etwas vom
Christkind. Ihnen macht es viel mehr Spaß, sich gegenseitig etwas zu
schenken, und die Freude wollen wir ihnen nicht nehmen. Außerdem haben wir
ja wirklich auch mit den Kindern schon genug zu tun." Das leuchtete
Murks ein, denn überall huschten Engel umher mit Schleifen, Geschenkpapier
und Spielzeug. In einer Ecke saßen welche und versuchten gerade einen
Puppenwaagen einzupacken, leider riss das Papier immer wieder und sie
mussten von vorn anfangen. Es herrschte wirklich ein reges Treiben,
ungefähr so, wie letzen Samstag, als Murks mit seiner Mama über dem
Weihnachtsmarkt gebummelt war. Da war es auch so voll, nur dass auf dem
Weihnachtsmarkt die Menschen mit grimmigen Gesichtern umherliefen. Die
Engel auf der Christkindwolke jedoch lächelten viel häufiger auch wenn mal
etwas schief ging oder sich zwei Engel zufällig anrempelten. Keiner war
dem anderen böse, sie entschuldigten sich, lächelten und gingen wieder an
die Arbeit. "Hast du schon ein Geschenk für deine Eltern?" Das
Christkind sah Murks von der Seite an. "N.. N - nein.", stotterte
dieser. Ich kann doch gar nichts kaufen, ich bekomme doch noch gar kein
Taschengeld!" "Du musst auch nichts kaufen, pass auf, ich gebe dir ein
Geschenk, über das sich deine Eltern bestimmt freuen werden." "Was
denn?" Murks blickte neugierig umher. Er konnte sich nicht vorstellen,
dass sich seine Eltern über eins der Spielzeuge freuen würden. "Du hast
es bereits bei dir.", lächelte das Christkind. "Bei mir?" Murks sah an
sich hinunter, konnte aber nichts entdecken, auch in seine Hosen und
Jackentaschen befand sich nichts, außer einem gebrauchten
Papiertaschentuch, und er konnte sich nicht vorstellen, dass das
Christkind wollte, dass er dieses seinen Eltern schenkt. Das Christkind
fing glockenhell an zu lachen "Nein, man kann es nicht sehen. Ich habe dir
eine Geschichte gegeben, die du deinen Eltern schenken kannst" Murks
verstand immer noch nicht. "Na, was du gerade erlebst, der Besuch hier
oben, ist doch sicherlich etwas Besonderes. Wenn du diese Geschichte
deinen Eltern erzählst, freuen sie sich bestimmt!" "Aber das ist doch
kein Geschenk!", Murks konnte es nicht glauben. "Probier es einfach
aus. Dinge müssen nicht groß sein, oder viel Geld kosten. Die schönsten
Geschenke sind die, die von Herzen kommen. Und die bestimmt nicht jeder
bekommt. Oder glaubst du, dass noch jemand auf der Welt diese Geschichte
verschenken kann?" Das glaubte Murks nicht, und beschloss es
auszuprobieren. Er würde die Geschichte vom Besuch beim Christkind seinen
Eltern schenken. "Hoffentlich freuen sie sich", dachte er.
Dann war es Zeit das
Christkind wieder zu verlassen. Zum Abschied schenkte es Murks noch eine
kleine Schachtel voll mit frischgebackenen Weihnachtsplätzchen "von echten
Engeln zubereitet" stand in goldenen Buchstaben darauf, das hatte ein
Engel Murks vorhin noch schnell vorgelesen. Das Christkind winkte, als
Murks die Christkindwolke verließ. Aber diesmal kehrte er nicht mit Kedama
der Kuh zur Erde zurück, sondern zwei Engel nahmen ihn an der Hand und
flogen mit ihm bis vor seine Haustür. Pünktlich, als wenn Murks im
Kindergarten gewesen wäre kam er zu Hause an. Das Päckchen mit den Keksen
versteckte er schnell in seiner Jackentasche, dann verabschiedete er sich
von den Engeln, die schnell zurück in den Himmel flogen, bevor sie jemand
sehen konnte. Als sie am Himmel immer kleiner wurden und dann
verschwanden, meinte Murks, dass er ein helles Leuchten gesehen hätte.
Genau da, wo sich die Christkindwolke befand. Die Wolke, die etwas heller
und flauschiger aussah als die anderen. Vielleicht, wenn du mal ganz genau
in den Himmel schaust, und dich ganz doll anstrengst, kannst du sie auch
sehen. Probier es mal! Aber die Geschichte von Murks ist ja noch gar
nicht zu Ende. Bevor du also ans Fenster gehst und Ausschau hältst nach der
Wolke auf der das Christkind wohnt, will ich dir erst noch erzählen, wie
die Geschichte ausgeht: Murks schaute den beiden Engeln noch eine Weile
nach und konnte nicht fassen, was er gerade erlebt hatte. Am liebsten
hätte er es gleich seiner Mama oder seinem Papa erzählt, aber das musste
noch bis Heiligabend warten, denn schließlich war diese Geschichte Murks
Geschenk an seine Eltern, und Weihnachtsgeschenke verschenkt man nun mal
an Weihnachten und nicht vier Tage vorher.
Es dauerte noch vier
tage, bis endlich Heiligabend war. Es war komisch, denn die Tage kurz vor
Weihnachten dauerten seltsamerweise immer am längsten. Als Murks an
Heiligabend morgens früh erwachte hatte er richtiges Bauchkribbeln. Nicht
so sehr, weil er sich auf seine Geschenke freute, sondern viel mehr weil
er so gespannt war, was Mama und Papa zu der Geschichte sagen würden, die
er ihnen schenken wollte. Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk. Denn das
würden sie bestimmt nicht auch noch von jemand anderem geschenkt bekommen.
Natürlich dauerte es noch mal sehr lange, bis es endlich dunkel wurde,
die Tür zum Wohnzimmer fest verschlossen wurde und Murks mit seinen
Eltern, wie jedes Jahr in die Kirche ging. Ein Fenster wurde aufgelassen,
damit das Christkind auch ins Haus kommen konnte, während die drei außer
Haus waren. In der Kirche konnte sich Murks natürlich kaum darauf
konzentrieren, was vorne am Altar erzählt wurde. Unruhig rutschte er auf
seinem Stuhl hin und her und freute sich über jedes Lied, das gesungen
wurde. Fröhlich schmetterte er "Stille Nacht" und "ihr Kinderlein kommet",
und hoffte, dass die Zeit so schneller vorbei gehen würde. Endlich war
der Gottesdienst vorbei und alle machten sich auf den Weg in ihre warmen
und hell beleuchteten Häuser. So auch Murks und seine Eltern. Zuhause
angekommen, und die Haustüre geöffnet, hörte man schon leise Musik aus dem
Wohnzimmer: "Horch mal", flüsterte seine Mutter "das Christkind war da!".
Vorsichtig wurde die Türe zum Wohnzimmer geöffnet und Murks Blick fiel
auf einen hell erleuchten Tannenbaum, und die Geschenke darunter. Er war
neugierig, was das Christkind ihm nun alles von seinem Wunschzettel
gebracht hatte. Natürlich konnte es nicht alles bringen, das sah Murks nun
ein, denn es hatte ja wirklich alle Hände voll zu tun gehabt. Er hatte
sich sogar schon Sorgen gemacht, ob es überhaupt Zeit finden würde bei dem
ganzen Stress zu ihm zu kommen. Aber natürlich hat das Christkind Zeit für
alle Kinder, und war auch bei Murks gewesen. Er riss sofort das
Geschenkpapier von dem ersten Päckchen (es war übrigens genau das gleiche
Geschenkpapier, womit die Engel einige Geschenke eingepackt hatten) Unter
dem Papier befand sich ein Fußball. Aus Leder. Ein richtiger Profi
Fußball. Murks freute sich wie ein Schneekönig und kickte ihn gleich zu
seinem Vater, der schoss ihn vorsichtig zu Mama und die zurück zu Murks.
Dann wurde das zweit Geschenk ausgepackt. Ein Malblock und eine riesen
Schachtel mit vielen Buntstiften war darin. Murks freute sich sehr, denn
das konnte er gut gebrauchen, jetzt konnte er allen, die er lieb hatte
immer ganz viele Bilder malen. Er bemerkte vor lauter Freude gar
nicht, dass gar kein Fahrrad unter dem Weihnachtsbaum stand. Aber damit
hätte er ja jetzt sowieso nicht spielen können, weil im Haus Fahrrad
fahren verboten war und draußen war es viel zu glatt. Dafür konnte er sich
nun aber mit seinen neuen Malsachen und dem Fußball den ganzen Abend
vergnügen. Sofort fing er an zu zeichnen. Es war ein schöner Engel mit
einem Päckchen in der Hand. "Was zeichnest du denn da?", fragte sein
Papa. "Das ist das Christkind!", antwortete Murks und zeichnete
weiter. "Ja, sieht das Christkind denn so aus wie ein Engel?", fragte
die Mama erstaunt. "Natürlich, wie denn sonst?", entgegnete Murks. Dann
sagte er seinen Eltern, sie sollen sich hinsetzen, "Jetzt will ich euch
mein Geschenk schenken!" Murks war ein wenig aufgeregt. Trotzdem fing
er an die Geschichte zu erzählen, wie er zum Christkind kam. Wie er die
Fahrkarte im Adventskalender gefunden hatte, wie Kedama ihn abgeholt und
auf die Wolke gebracht hatte und von den vielen Engeln, die es dort oben
gibt und wie viel sie zu tun haben. Als er fertig war, streichelte ihm
seine Mutter über die Wange "das war eine wirklich schöne Geschichte. Und
das schönste Weihnachtsgeschenk, dass ich je bekommen habe." Auch Murks
Vater freute sich und nahm seinen Sohn fest in die Arme. Dabei schaute
Murks aus dem Fenster und entdeckte am Himmel einen Lichtstrahl. Nur kurz.
Aber er wusste, dass es das Christkind gewesen war, das jetzt unterwegs zu
den anderen Kindern war. Ob seine Eltern ihm die Geschichte glaubten?
Wer weiß. Aber sie haben sich darüber gefreut. Und selbst wenn sie es
nicht glauben, wusste Murks ja, dass er das alles wirklich erlebt hat. Und
du weißt das doch auch, oder glaubst du die Geschichte etwa
nicht?
© Mareike

Achtung! Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise,
bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin / des Autors.
© by Kinderbuchforum-Stiftung
E-Mail Adresse ist der Kinderbuchforum-Redaktion bekannt.
|