Oktober 2017

Der Schultag, den ich nie vergaß


Hallo, ich heiße Lina und bin 10 Jahre alt. Meine Klasse ist die 4a. Vor 2 Wochen haben die Sommerferien aufgehört, und meine Klasse, die Lehrer und ich haben uns wieder in den öden Schulalltag gestürzt. In der ersten Klasse war die Schule ja noch ganz unterhaltsam, denn es gab jede Menge Neues. Aber im vierten Jahr ist Schule nun wirklich nichts Besonderes mehr.

An diesem Tag, dem 8. September, sollten wir eine Matheklassenarbeit schreiben. Auf dem Weg zur Schule, den ich mit meinen Freunden bewältigte, herrschte gedrückte Stimmung. Timo, mein bester Freund, trat unentwegt eine Blechdose vor sich her, was alle außer ihm in den Wahnsinn trieb. Als wir in der Schule ankamen, war Frau Kügler, unsere Klassen- und gleichzeitig Mathelehrerin schon da. Sie hatte als Einzige gute Laune. Wir alle sind uns einig, das Frau Kügler eigentlich schon im Ruhestand sein müsste, so alt und gebrechlich wie die ist. Julian meint, sie sei über 80. Das Gute ist, dass sie es nicht merkt, wenn wir spicken, weil ihre Augen nicht mehr so gut sind und sie sich strikt weigert, eine Brille zu tragen.
Wie auch immer; Wir legten uns Stifte und ein Blatt Papier bereit. Dann klingelte es. Frau Kügler begrüßte uns mit ihrer Zitterstimme, wir murmelten irgendwas, dass sich nicht im Entferntesten wie "Guten Tag, Frau Kügler!", anhörte, sondern wie "Oh Mann, Mathe!". Aber Frau Kügler ließ es durchgehen. Wir ließen uns auf unsere Stühle fallen, denn beim Klingeln mussten wir, egal, was wir gerade taten, aufspringen.
Wie immer leierte Frau Kügler ihre Regeln über abgucken und Spickzettel herunter, dann teilte sie die Aufgabenblätter aus. Schweigend begannen wir zu rechnen. Frau Kügler setzte sich in den Lehrerstuhl und strickte. Ich finde, sie würde besser in den Beruf "Oma" passen als "Mathelehrerin". Wir guckten voneinander ab, aber sie kriegte nichts mit. Timo hatte sich gerade zu mir herübergebeugt, um mir eine Lösung ins Ohr zu flüstern, da klopfte es laut an der Tür. Frau Kügler schreckte auf und Timo zog sich schnell auf seinen Platz zurück, als Frau Kügler böse in die Klasse starrte, als wären wir die Urheber des Lärms draußen gewesen. Dann erehob sie sich und wackelte zur Klassentür hinüber. Keiner rechnete mehr. Alle starrten auf die Tür, in der Hoffnung, es möge doch der Schulleiter sein, der geklopft hatte, und verkünden, dass wir doch keine Arbeit schreiben müssten. Frau Kügler murmelte etwas von "Störung in der Prüfung" und "unerhört", dann stieß sie die Tür auf. Wir hörten eine barsche, raue Männerstimme: "An die Wand, Hände hoch, NA LOS!" Einige Mädchen schrien ängstlich, den Jungen klappte der Mund auf. Als Frau Kügler sich nicht rührte, wurde sie von dem Mann in den Raum zurückgeschubst, und er trat ein, gleich hinter ihm noch einer. Man konnte ihre Gesichter nicht erkennen, denn sie hatten sich Strümpfe darübergezogen. Karo, die ängstlichste aus der Klasse, war unter den Tisch getaucht und wimmerte. Frau Kügler schien vor Angst erstarrt zu sein. "MACHEN SIE, ODER ICH NEHME EINEN VON DENEN!", brüllte der Mann zornig und zog eine Pistole. Sein Komplize tat es ihm gleich. Frau Kügler murmelte "Um Gottes Willen!" und brach zusammen. Sogleich stieg der Erste über unsere Lehrerin und begann, ihre Tasche zu durchsuchen. Die Anderen starrten sich ratlos und ängstlich an, doch ich schmiedete in Sekundenschnelle einen Plan. Flüsternd beugte ich mich zu Timon hinüber. Ich schaffte es gerade so, ihm meinen Plan mitzuteilen, dann sagte der zweite Mann mit schnarrender Stimme: "Was gibts da zu bereden?" "Nichts!", beteuerte ich, und in der Zeit, wo alle Aufmerksamkeit auf mich gerichtet war, hauchte Timo den Plan nach hinten weiter. Und irgendwie schafften wir es, das am Ende die ganze Klasse wusste, wie der Plan hieß.
"Hören Sie mal!", sagte ich kühn zu dem Zweiten. "Was stehen Sie hier so dumm rum? Wir wollen ein bisschen Action sehen!" Der Mann war wütend, es hatte geklappt. Er zielte mit der Pistole auf mich, es gab einen lauten Knall und ich fiel von meinem Stuhl auf den Boden und krümmte mich vor Schmerz. Natürlich war in Wirklichkeit gar nichts; Timon hatte einen Luftballon aufgeblasen und ihn im richtigen Moment zerplatzen lassen. Natürlich wussten alle in der Klasse, das ich nicht wirklich von einer Kugel getroffen worden war, aber sie schrien trotzdem auf und machten entsetzte Gesichterr, sonst hätte man uns ja sofort erkannt. Doch der Erste war drauf reingefallen: "BIST DU VERRÜCKT?", brüllte er den, den ich provoziert hatte, an. "ICH HAB GESAGT NICHT FEUERN!!!!" "Ich HAB nicht..", das verabredete Zeichen. Sie stürmten los wollte sich der andere verteidigen, und ich gab meiner Klasse das verabredete Zeichen. Alle stürmten auf die Männer los, die es von den Füßen riss. Clara schaffte es, dem Ersten die Pistole zu entwenden, Julian dem Zweiten. Dann holten wir die Springseile aus der Pausenkiste und fesselten die Männer damit.


Danach ging alles sehr schnell: Ich rief einen Krankenwagen für Frau Kügler und Timo lief los, um andere Lehrer zu holen.
Wir waren alle geschockt und furchtbar froh, das es noch einmal gut gegangen war. Die Männer mussten ins Gefängnis. Es stellte sich heraus, das Frau Kügler sehr reich war, und die Männer waren Diebe gewesen, die beim ersten Versuch, an Frau Küglers Geld zu gelangen, gescheitert waren. Deshalb hatten sie eine Schießerei geplant. Doch auch diesmal waren sie aufgehalten worden; Und zwar durch mich. Die Polizei lobte mich für meinen Mut und meine Schlauheit.

Eins ist klar: DIESEN Schultag werde ich NIE vergessen


ENDE



© von Amelie,11 Jahre Autor/in aus Schwerin




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