April 2017

Ein Elefant zum Geburtstag


Jan rekelt sich, heute ist sein Geburtstag. Es ist 6 Uhr morgens, die Sonne geht langsam auf. Mutter und Vater schlafen noch. Jan steigt aus dem Bett und geht ins Bad. Zähne putzen, waschen, immer das gleiche. Heute aber mal gründlich hatte die Mutter gesagt, Jan nimmts nicht immer so genau. Er zieht sich an, die Mutter hatte ihm seine besten Sachen hingelegt. Eigentlich würde er lieber heute im Sand spielen. Jan ist mehr ein Einzelgänger, er hält nicht viel von Geburtstagen. Da kommen dann die Nachbarskinder und spielen mit seinen Spielsachen. Freunde, na ja, so richtig Freunde hat er nicht, eigentlich, sagt er, gehen die ihm auf den Geist. Jan läuft zur Haustür und öffnet sie. Angenehme Luft, sagt er sich. Waldmanns, oder sagen wir besser Jan Waldmann, der hier die Hauptrolle spielt, saust in den großen Garten. Die Waldmanns bewohnen ein eigenes Haus auf einem Hügel vor der Stadt. Am Haus ist noch eine große Scheune, der Vater betreibt als Nebenerwerb ein wenig Landwirtschaft. Die Mutter liebt ihre vielen Blumen und ihren großen Gemüsegarten, da ist sie ganz stolz. Jan besteigt die Leiter zu seinem Baumhaus, das der Vater ihm letztes Jahr gebaut hat. Er soll ja heute nicht im Sand spielen, aber das Baumhaus, das wird ja wohl noch erlaubt sein. Jan ist eigentlich kein Lausbub, aber er hat so seinen eigenen Kopf. In der Schule, er ist in der ersten Klasse, hält er sich ziemlich zurück. Jan ist, von seiner Natur aus, sehr kreativ. Er malt sehr viel, nicht nur in der Schule. Am liebsten malt er auf dem Hof und der Straße. Kreide, und nichts als Kreide. Jan liebt Elefanten, er malt ständig Elefanten, groß, größer und noch größer. Sein größter, war der auf dem Hof. Zwei Packungen Kreide. Seit ein paar Tagen ist ein Zirkus in der Stadt. Heute will der Vater mit uns allen am Geburtstag dort hin. Jan denkt, was ich wohl geschenkt bekomme? 9 Uhr, Frühstück. Es gibt Ei und Marmelade, Erdbeermarmelade. Bei Waldmanns ist fast alles aus dem Garten. Jan leckt sich die Pfinger, hmmmm, Erdbeermarmelade. Heute ist der 16. Juni. Nach dem Frühstück, der Vater sitzt schon wieder auf dem Traktor, läuft Jan hinüber zu Oma und Opa im Nachbarhaus. Die beiden Alten begrüßen ihn, die Oma streicht ihm übers Haar. Jan mag die Beiden sehr. "Opaaa, darf ich Luise sehen?" Luise ist Jan's liebstes Kaninchen. Beide gehen in den Garten zum Kaninchenstall. Der alte Mann öffnet das Gitter und Jan streicht Luise übers Fell. "Heute, an deinem Geburtstag, darfst du sie auch mal auf den Arm nehmen." Mit einem Griff hat Jan das Tier auf dem Arm. Mit dem Tier und bei den Großeltern vergeht der Vormittag wie im Nu. 12 Uhr, Mittagessen. Es gibt Rinderwurst – Grütze, Jan's Lieblingsspeise. Danach der tolle Wackelpudding, Götterspeise. Wie lieb' ich Götterspeise!, denkt er. Am Nachmittag kommen die Gäste, es ist 14 Uhr. Die Mutter fährt eine riesen Torte auf, mit 7 Kerzen. Jan bläst sie in einem Nu aus, alle klatschen. Er packt sich gleich zwei Stücke auf den Teller. Es gibt Kakao und für die Erwachsenen Bohnenkaffee. Jan's Mund ist ganz braun und seine Hose hat Sahne abbekommen. Die Nachbarskinder kichern. Um 15 Uhr brechen alle auf zum Zirkus. Geschenke, ja Geschenke gibt's auch, aber später. Jan war schon ganz enttäuscht, er hatte sie eigentlich schon jetzt erwartet! Der Zirkus, na ja der Zirkus. Als sie zum Eingang kommen, steht da ein großer Elefant. Jan ist begeistert und strahlt. Die Nachbarskinder krümeln sich. Der Vater zeigt die Eintrittskarten vor, und sie gehen ins große Zelt von Zirkus Barum. Ein Clown tritt auf, Jan lacht übers ganze Gesicht, der fällt aber auch immer hin, der Clown, ha ha. Dann kommen verschiedene Dressuren mit kleinen und großen Tieren. Elefanten, tatsächlich Elefanten, eine Dressur, die der Direktor vorführt. Jan kringelt sich vor lachen über das Elefantenbaby. So ein süßes Ding! Der kleine Elefant hält sich am Schwanz seiner Mutter fest und tapst immer hinterher. Nach der Vorstellung ist Tierschau. Jan begrüßt den kleinen Elefanten und reicht ihm ein Stück Brot. Der Kleine tätschelt seine Hand und stupst Jan mit dem Rüssel aufs Gesicht. Jan weiß weder ein noch aus vor Freude, eine echte Jan – Elefantenfreundschaft, die sich da anbahnt. Der Direktor hat die beiden entdeckt und kommt auf sie zu. "Wie heißt du, kleiner Mann," sagt er. "Jan!" Der Direktor: "Friedolin ist unser Bester!" Jan: "Friedolin ist ein toller Name, darf ich ihn morgen wieder besuchen?" "Ja, und du kannst morgen bei den Vorbereitungen zu meiner neuen Show zusehen." Dann gehen die Waldmanns und Gäste nach hause, und der Geburtstag nimmt seinen Lauf. Jan freut sich zwar auch über die neuen Spielsachen, aber eigentlich war doch diesmal das Erlebnis mit dem kleinen Elefanten sein schönstes Geschenk zum Geburtstag.


© Jens Große-Brauckmann




Achtung! Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise,
bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin / des Autors.
© 2015 by Kinderbuchforum-Stiftung
E-Mail Adresse ist der Kinderbuchforum-Redaktion bekannt.